Deutschland und EU auch bei Robotisierung zu langsam

Die Robotik und Automation in Deutschland haben an Wettbewerbsfähigkeit verloren: Für 2025 prognostiziert die Branche einen Gesamtumsatz von minus neun Prozent auf 13,8 Milliarden Euro. Das vergangene Jahr schlossen die Unternehmen mit einem Umsatz von minus sechs Prozent mit 15,2 Milliarden Euro ab.

Die konjunkturellen und strukturellen Schwächen bei den Auftragseingängen haben sich 2024 nicht nur im Inland mit einem Minus von 16 Prozent zum Vorjahr gezeigt. Wachstumsimpulse aus dem Ausland bleiben ebenfalls aus: Die Nachfrage schrumpfte um zwei Prozent. Einziger Lichtblick für die deutsche Robotik und Automation war der Export in die Eurozone: Die Auftragseingänge aus den Euroländern stiegen 2024 um stolze 44 Prozent. Die Auslandsnachfrage ohne die Staaten der Eurozone lag dagegen um 13 Prozent unter dem Vorjahreswert, wurde Ende Januar in einer VDMA-Meldung resümiert.

Diese Zahlen waren ein Weckruf für die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Industrie. »Europas Wirtschaft fällt in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit zurück und muss dringend mit einer Aufholjagd starten«, zeigte sich Dr. Dietmar Ley alarmiert, Vorsitzender des Fachverbands VDMA Robotik + Automation. Des Weiteren erinnerte er daran: »China beispielsweise hat seinen Fokus konsequent auf Spitzentechnologie und hochwertige Fertigung verlagert. Das Land treibt die Automatisierung voran und verdoppelte seine Roboterdichte innerhalb von vier Jahren auf 470 Roboter pro 10.000 Arbeiter. Damit wird der EU-Durchschnitt von 219 Einheiten um mehr als das Doppelte übertroffen

Deutschland liege mit 419 Einheiten nun auf dem vierten Platz des weltweiten Rankings. Die Spitzenplätze nähmen Südkorea mit 1.012 Einheiten sowie Singapur mit 770 Einheiten je 10.000 Arbeiter ein. Da das künftige Wachstum der Volkswirtschaften nur durch Robotik und Automatisierung als Schlüsseltechnologien möglich sei, müsse endlich eine Aufholjagd gestartet werden, mahnte Dietmar Ley. Europa müsse jetzt bei der Robotik und Automation zulegen. Nur so sei gewährleistet, dass das volkswirtschaftliche Wachstum durch Produktivität und Innovationen gesteigert werden könne.

Als Antwort auf die eingangs erwähnten Zahlen, legte der VDMA nun den Robotik-Aktionsplan für Europa vor, der Themen anspricht wie Investitionshemmnisse, Innovationen und Fachkräftemangel (siehe ÆON-ZThese 2). Dieser Plan richtet sich an politische Entscheidungsträger in ganz Europa, einschließlich nationaler Regierungen und EU-Institutionen. Die wichtigsten Empfehlungen des Papiers sind:

Robotik-Offensive für Europa

Europa wird zunehmend durch aggressive industriepolitische Strategien in anderen Ländern herausgefordert – wie die America-First-Agenda der Vereinigten Staaten und Chinas Fünfjahresplan für Robotik zeigen. Mit einer gezielten Robotik-Offensive gewinnt Europa seine Wettbewerbsfähigkeit zurück, sichert die Eigenständigkeit, bewältigt den demografischen Wandel und gestaltet den Übergang zur Klimaneutralität.

Mehr Risikokapital für Europas Start-ups

Dringend benötigtes zusätzliches Risikokapital muss durch eine Reform des regulatorischen Rahmens für institutionelle Anleger mobilisiert werden. Die französische Tibi-Initiative hat gezeigt, wie Kapital erfolgreich für Innovationen nutzbar gemacht werden kann – Europa sollte diesem Beispiel folgen.

Roadmap für Wettbewerbsfähigkeit aufstellen

Europas Fortschritte in den Bereichen Robotik und Künstliche Intelligenz müssen systematisch einer Benchmarking-Analyse mit den Entwicklungen in Asien und Nordamerika unterzogen werden. Es braucht konkrete nationale und europaweite Technologie-Fahrpläne.

Fokus auf Skalierbarkeit

Europa verfügt über eine hervorragende Forschungs- und Innovationslandschaft, die großartige Ideen hervorbringt. Doch am Ende zählt der Erfolg am Markt. China zeigt, wie Ideen konsequent in die industrielle Massenproduktion überführt werden. Politische Entscheidungsträger in Europa müssen ein Umfeld schaffen, das Innovationen nicht nur hervorbringt, sondern auch in die Serienfertigung und breite Anwendung transferiert.

»Wir haben keine Zeit zu verlieren: Unser neues Strategiepapier ist ein Aufruf an die Politik in ganz Europa, die Weichen dafür zu stellen, Europa mit Robotik und Automatisierung wettbewerbsfähiger und widerstandsfähiger aufzustellen. Machen wir uns an die Arbeit«, fasste Dr. Dietmar Ley den Aktionsplan zusammen.

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