Die Zukunft des Seniorenalltags: Fünf Trends in Pflege und Technologie

Sowohl die Politik als auch Sozialverbände versprechen den Senioren, insbesondere den pflegebedürftigen, ein menschenwürdiges Leben auch im hohen Alter. Unabhängig von der ständigen Klage über fehlendes Personal, gibt es technische Entwicklungen, die mithelfen, das Leben älterer Personen zu verbessern. Da immer mehr Menschen altern, wird es zunehmend wichtiger, bessere Wege der Betreuung zu finden. Die Technologie spielt dabei eine große Rolle, indem sie die Art und Weise der Unterstützung im Seniorenalltag verändert.

Von Virtual-Reality-Therapien über digitale Gesundheitswerkzeuge bis hin zu Robotern, von personalisierter Pflege bis hin zu intelligenten Wohnlösungen, erweitert sich rasant das Spektrum technologiebasierter Optionen. Nachfolgend ein Überblick auf aktuelle Entwicklungen, die zeigen, wie Technologie das Leben betagter Senioren verbessern kann.

1. Das vernetzte Smarthome

Innovative und intelligente Smarthome-Technologien revolutionieren den Wohnalltag der Senioren – im Heim ebenso wie zuhause. Geräte wie intelligente Thermostate, sprachgesteuerte Assistenten und automatisierte Beleuchtungssysteme sind in vielen Seniorenwohnheimen mittlerweile alltäglich, können aber auch in Privathaushalten eingesetzt werden. Sie fördern dabei u.a. die Selbstständigkeit der Nutzer.

Zudem erhöhen sie die Sicherheit, da Senioren ihre Umgebung steuern können, ohne auf physische Hilfe angewiesen zu sein. Beispielsweise können Automatiklichter so programmiert werden, dass sie die Bewohner an bestimmte Alltagsroutinen erinnern, etwa an die Zeit der Medikamenteneinnahme. Solche Funktionen verbessern das Wohlbefinden, indem sie den Tagesablauf strukturieren und – im konkreten Fall – das Unfallrisiko aufgrund schlechter Sichtverhältnisse verringern.

Familien, die nach speziellen Lösungen für Angehörige mit verringertem Erinnerungsvermögen suchen, stehen beispielsweise spezialisierte »Memory-Care«-Dienste als wichtige Ressource zur Verfügung. Diese spezialisierten Dienstleistungen stellen sicher, dass die Senioren eine ganzheitliche Betreuung erhalten, die auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

2. Geräte zur Gesundheitsüberwachung

Die Entwicklung und Nutzung von Geräten zur Gesundheitsüberwachung, etwa sogenannter Gesundheitsuhren, ist ein allgemeiner Trend, der auch im Leben von Senioren (zuhause oder im Heim) immer mehr an Bedeutung gewinnt. Tragbare Technologien wie Gesundheitstracker und Smartwatches ermöglichen es Senioren, wichtige Vitalwerte, wie z.B.

  • Herzfrequenz (Puls)
  • Blutsauerstoff-Sättigung (SpO2)
  • Blutdruck
  • und weitere Parameter

zu überwachen. Dieser kontinuierliche Datenstrom kann Gesundheitsdienstleistern dabei helfen, individuelle Gesundheitspläne basierend auf Echtzeitinformationen zu erstellen. Die Integration von Gesundheitsüberwachung in den Alltag unterstützt zudem präventive Maßnahmen. Viele dieser Geräte sind mit Telefonie- und/oder Notruffunktionen ausgestattet. Sie ermöglichen es einerseits dem Nutzer, selbst Hilfe zu rufen, andererseits kann, etwa beim Erreichen besorgniserregender Werte, automatisch ein Notruf abgesetzt werden, der das jeweils zuständige Pflegeteam alarmiert.

3. Telemedizinische Dienstleistungen

Telemedizin hat insbesondere nach dem als COVID-19-Pandemie geframten Ausnahmezustand im Seniorenbereich erheblich an Bedeutung gewonnen. Virtuelle Arztkonsultationen und Videosprechstunden ermöglichen es Senioren, auf Gesundheitsdienstleistungen zugreifen zu können, ohne das Haus verlassen zu müssen. Dies hilft insbesondere Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder chronischen Erkrankungen, die den Besuch von Kliniken oder Krankenhäusern erschweren.

Darüber hinaus entlastet Telemedizin auch das Pflegepersonal, da Termine bequem von zu Hause aus verwaltet werden können. Viele Senioren berichten von hoher Zufriedenheit mit den virtuellen Gesundheitsangeboten. Sowohl die Bequemlichkeit als auch die leichte Zugänglichkeit werden als entscheidende Vorteile hervorgehoben. Der Anstieg telemedizinischer Angebote hat zudem gezeigt, dass dadurch Gesundheitskosten gesenkt werden können – ein wesentlicher Faktor im Rahmen des Finanzmanagements etwa eines Seniorenwohnheims.

4. Technologien der sozialen Vernetzung

Der Erhalt sozialer Kontakte ist für das psychische Wohlbefinden, insbesondere älterer Menschen, essenziell. Trends zeigen einen Anstieg von speziell für Senioren entwickelten Plattformen, die

  • soziale Interaktion
  • und Engagement

fördern sollen. Von benutzerfreundlichen sozialen Medien bis hin zu spezialisierten Apps für Gruppenaktivitäten überbrückt die Technologie die Lücke zwischen

  • Isolation
  • und Gemeinschaft.

Solche Plattformen ermöglichen virtuelle Zusammenkünfte sowie Gemeinschaftsveranstaltungen und helfen mit, dass Senioren den Kontakt zu Freunden und zur Familie aufrechterhalten. Zudem kann eine aktive soziale Einbindung das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen senken. Neue Technologien zielen darauf ab, Einsamkeit entgegenzuwirken und bieten wertvolle soziale Interaktion auf virtueller Ebene. In diesem Zusammenhang erlangen nicht zuletzt sogenannte soziale Roboter immer mehr an Bedeutung, deren Stärken sowohl in der verbalen als auch in der nonverbalen Kommunikation liegen.

5. Der Roboter als Freund und Helfer

Es sind zwei Trends – die Zunahme hochbetagter Senioren sowie das Fehlen qualifizierten Personals – die ostasiatische Länder wie Japan, Südkorea, China oder Singapur dazu veranlassen, statt auf »Fachkräfteeinwanderung« auf die Entwicklung intelligenter Roboter zu setzen. Doch auch hierzulande wird die Robotisierung das Leben der Senioren verbessern, im Bereich der Kommunikation ebenso wie bei der Pflege.

Der seit Ende 2023 in Pflegeheimen eingesetzte, rund 75 Zentimeter große soziale Roboter »Navel« des Münchner Startups »Navel Robotics«, auch als Empathie-Roboter bezeichnet, soll die emotionale und kognitive Aktivierung der Heimbewohner dienen und die soziale Interaktion fördern. Vereinsamung und Sprachlosigkeit, oft infolge fortschreitender Demenz, sind die sicheren Begleiter im hohen Alter – zuhause oder im Heim. Navel ist mittels Künstlicher Intelligenz in der Lage, Senioren Gesellschaft zu leisten, eine soziale Beziehung aufzubauen und mit ihnen zu sprechen, indem er beispielsweise die Emotionen seines Gegenübers erkennt, errechnet und entsprechend ein einfaches Gespräch führt. Andere soziale Interaktionsroboter können mit Menschen spielen, sie zu gymnastischen oder Rehabilitationsübungen anleiten, die Post oder Bücher vorlesen.

Ein weiterer Bereich, in dem intensiv geforscht wird, ist das weite Feld der (teils humanoiden) Assistenz- und/oder Pflegeroboter. Serviceroboter, wie etwa der vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) entwickelte, vielseitige Care-O-bot kann z.B. Essen bringen, Getränke servieren, Medikamente ausgeben, an Termine, die Einnahme von Medikamenten oder an das Trinken erinnern.

Weitere Aufgaben solcher Roboter, die sie jetzt schon oder künftig bewältigen, dürften die Zimmerreinigung sein, das Geschirr- oder Wäschewaschen, die Wäsche- und Essensverteilung, das Absolvieren von Kontrollgängen, telemedizinische Untersuchungen, Hilfe beim Ankleiden, der Nahrungsaufnahme oder Körperhygiene, das Heben von Patienten aus dem Bett oder in einen Rollstuhl und so weiter. »Assistenzroboter mit umfangreicheren, auch physischen Interaktionsfähigkeiten und komplexem autonomem Verhalten sind noch der Forschung zuzuordnen«, heißt es seitens Fraunhofer-Instituts.

Obwohl die technologische Entwicklung von Pflegerobotern rasant voranschreitet, werden sie kurzfristig kein Ersatz für menschliche Pflegekräfte sein. Doch entlasten oder ergänzen sie heute schon Pflegehelfer wie auch Pflegebedürftige. Sie fördern die Selbstständigkeit von Pflegebedürftigen und übernehmen körperlich belastende oder auf Präzision und Zuverlässigkeit angelegte Aufgaben (z.B. Medikamentenvergabe oder Zeitmanagement).

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