Keine Schulklasse mehr ohne IVF-Kinder¹

Keine Schulklasse mehr ohne IVF-Kinder¹

Heute sitzen in jeder deutschen Schulklasse ein bis zwei Kinder, die mit Hilfe der Kinderwunschmedizin (In-vitro-Fertilisation) gezeugt wurden. In Deutschland kamen inzwischen 433.858 Kinder nach einer Kinderwunschbehandlung zur Welt, was der Einwohnerzahl von zwei deutschen großen Städten wie Saarbrücken und Chemnitz zusammen entspricht.

¹IVF: Die In-vitro-Fertilisation (IVF) – lateinisch für »Befruchtung im Glas« – ist eine Methode zur künstlichen Befruchtung.

Die Geburtenrate pro Transfer war 2023 mit 22,5 Prozent identisch zum Jahr 2022 und das bei der deutlich gesunkenen Mehrlingsrate mit all ihren Risiken für Mütter und Kinder. Ein Erfolg, den die Kinderwunschmediziner auf die »Single Embryo Transfer«-Strategie zurückführen. Während 2017 bei den Frischzyklen noch 2.818 Mehrlingsgeburten entstanden (22 % aller Geburten), ist diese Zahl 2023 auf 1.039 Mehrlingsgeburten gesunken (9,3 % aller Geburten). »Dass über 90 Prozent der Geburten Einlings-Geburten sind, bedeutet für Mutter und Kind ein deutlich geringeres Risiko und ist eine mehr als erfreuliche Entwicklung«, sagt Prof. Dr. med. Krüssel, Vorstandsmitglied im Deutschen IVF-Register e.V. (D·I·R). Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit noch im oberen Bereich. Länder wie Skandinavien oder die Niederlande haben Mehrlingsgeburten im natürlichen Bereich von unter fünf Prozent, heißt es von Seiten der Experten.

Marginal sind die Unterschiede auch bei der Art des Embryotransfers. Die Geburtenraten betrugen 2023 im Frischzyklus 22,5 Prozent und im Kryozyklus (Auftauzyklus) 21,9 Prozent. Eine weitaus größere Rolle spielt das Alter der Mutter. Der Erfolg von Schwangerschafts- und Geburtenraten sind damit unmittelbar verbunden.

Kinderwunschbehandlung nicht auf später verschieben

In der Altersgruppe von 30 bis 34 Jahren liegt die Chance auf Schwangerschaft pro Embryotransfer bei 39 Prozent. Die Geburtenrate bei 30,9 Prozent. »Ganz anders sieht das bei den Kinderwunschpatientinnen der Altersgruppe von 41 bis 44 Jahre aus. Die Schwangerschaftsraten pro Embryotransfer sinken um mehr als 20 Prozentpunkte auf 17,1 Prozent und die Geburtenrate liegt mit 9,3 Prozent gar unter zehn Prozent«, erklärt Dr. med. Andreas Tandler-Schneider, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen IVF-Registers e.V. (D·I·R).

So ist das Alter einer der wichtigsten Faktoren in der Kinderwunschbehandlung. »Warten Sie nicht zu lange«, formuliert er einen Appell an Eltern, die sich Nachwuchs wünschen.

Dank guter Behandlungserfolge ist die Wahl für Frischzyklus oder Auftauzyklus längst nicht mehr der entscheidende Faktor heutzutage. Die Schwangerschaftsraten pro Embryotransfer im Frischzyklus betrugen im Jahr 2024 30,5 Prozent, die Schwangerschaftsraten im Auftauzyklus pro Embryotransfer betrugen im Jahr 2024 sogar 31,5 Prozent und sind damit erstmals über den Schwangerschaftsraten der Frischzyklen. Dieser Aspekt ist wichtig, wenn mehrere Anläufe zum Wunschkind nötig sind. »Bestand nach nur einer Eizellgewinnung die Chance auf Kryokonservierung, können sich bereits nach einem Frischtransfer und zwei Kryotransfers die Hälfte der Paare über die Geburt eines Kindes freuen, obwohl nur ein frischer Behandlungszyklus mit Stimulation und Punktion durchgeführt wurde«, sagt Dr. Tandler-Schneider. Paaren kann das zusätzliche belastende Behandlungen, beispielsweise durch Hormontherapien, ersparen.

Kinderlosigkeit durch eingeschränkte Spermaqualität

Der Weg zum Wunschkind führt häufig auch nur über die Nutzung von Spendersamen zum Ziel. »Behandlungen wie IVF und ICSI [Intrazytoplasmatische Spermieninjektion] mit Spendersamen nehmen deutlich zu«. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass nach 1.129 Behandlungen im Jahr 2018 die Anzahl 2023 fast verdreifacht hat. »Wir verzeichnen 3.177 Fälle in 2023«. Die vielfältigen Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin bieten Chancen. In mehr als der Hälfte der Fälle liegt die Ursache der Kinderlosigkeit beim Mann, häufig bedingt durch eingeschränkte Spermaqualität. Es zeigt sich auch, dass die Behandlungen von »Single Mothers by Choice« sowie lesbischen Paaren in den letzten Jahren stark gestiegen sind.

In Deutschland wird weder das Einfrieren noch der spätere Auftau und Transfer von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. »Dies hindert manche, die Chancen des Einfrierens und Auftauens in Anspruch zu nehmen. Andererseits wird die Kryokonservierung zunehmend in Anspruch genommen, da die Chancen mindestens gleich hoch sind und der Aufwand geringer« resümiert Dr. Tandler-Schneider. Sein Fazit: »So traurig ein negativer Schwangerschaftstest nach einem Transfer ist, die Tatsache, dass nach vier Transfers inklusive Kryokonservierung zwei Drittel der Patientinnen schwanger sind, sollte Mut machen und ist für die Beratung von Kinderwunschpatienten immens wichtig

Eine bearbeitete Pressemitteilung des ›Deutsche IVF-Register‹ (D·I·R) vom 29.11.2025.

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