
Durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) wird es in Deutschland zwar eine Steigerung der Produktivität geben – ein Produktivitätswunder durch KI ist in den nächsten Jahren aber nicht zu erwarten. Um überhaupt die Chancen durch KI zu nutzen, muss die Politik möglichst schnell wesentliche Verbesserungen bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf den Weg bringen. Das sind Kernaussagen der Studie »Wie wird KI die Produktivität in Deutschland verändern?«, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Gemeinschaftsausschusses der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft erstellt hat.
Bei der Präsentation der Studie am 18.03.2025 im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin hieß es zusammenfassend: Eine Projektion der Produktivitätsentwicklung, die die potenziellen Effekte von KI mitberücksichtigt, zeigt ein jahresdurchschnittliches Produktivitätswachstum in Deutschland von 0,9 Prozent für die Jahre 2025 bis 2030 und von 1,2 Prozent für die Jahre 2030 bis 2040. Auch mit dem Einsatz und den Potenzialen von KI wird die erwartete Produktivitätsentwicklung damit lediglich das historisch ebenfalls schwache Niveau der 2000er Jahre erreichen, jedoch eine Verbesserung im Vergleich zu den vergangenen Jahren darstellen. In den bisherigen 2020er Jahren lag das Wachstum der Produktivität lediglich bei 0,4 Prozent. Insbesondere die Produktivitätsimpulse durch den technisch-organisatorischen Fortschritt, in dem auch Teile der Effekte durch den Einsatz von KI einfließen, werden in den kommenden Jahren wieder merklich zunehmen. Die Kapitalintensivierung wird auf Basis der hier gesetzten Annahmen ebenfalls zunehmen, was aber weniger an dem Investitionsimpuls als vielmehr an dem sinkenden Arbeitseinsatz aufgrund des demografischen Wandels liegt. Ein »Produktivitätswunder« wird in Deutschland gemäß den hier gesetzten Annahmen trotz der fortschreitenden Digitalisierung und des künftigen Einsatzes von Künstlicher Intelligenz nicht gesehen.
KI-Anwendungen dürften sich positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken
Mit dem Einsatz von KI gehen Hoffnungen, aber auch Sorgen bezüglich der Beschäftigung einher. Es wird erwartet, dass Arbeitsschritte automatisiert und Tätigkeiten übernommen werden – was menschliche Arbeit erweitern und ergänzen, aber eventuell auch ersetzen kann. Die Datenlage deutet insgesamt auf einen positiven Saldo dieser Effekte hin. KI wird sich also positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken. Dies ist jedoch kein Selbstläufer und stellt hohe Anforderungen an die Unternehmen auf allen betrieblichen Ebenen und an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Politik sollte für bessere Rahmenbedingungen sorgen und Unternehmen ihr Personal weiterbilden
Um die Nutzung und Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in Deutschland voranzubringen, gibt das IW eine Reihe von Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft. So sollte die Bundesregierung die EU-Verordnung zur Künstlichen Intelligenz (»AI ACT«) zeitnah umsetzen. Das würde Rechtssicherheit für die betroffenen Unternehmen schaffen. Kleine und mittlere Unternehmen brauchen zusätzlich praxisnahe Checklisten und andere Umsetzungshilfen, um den »AI Act« aufwandsarm und regelkonform umsetzen zu können. Weiterhin muss die Bundesregierung darauf hinwirken, dass der »AI Act« auf EU-Ebene regelmäßig evaluiert und an aktuelle Erfordernisse angepasst wird, um neueste Entwicklungen abzubilden. Die nächste Bundesregierung sollte zudem die Infrastruktur für KI fit machen. Dazu gehören bspw. der Bau von neuen Rechenzentren und die Ausweitung des Breitbandnetzes, denn vor allem die Qualität der Dateninfrastruktur wird bestimmen, ob wir KI erfolgreich einsetzen und anwenden können. Auch bei diesen Investitionsmaßnahmen wird es auf schnelle Planungs- und Genehmigungsverfahren ankommen.
Auch die Unternehmen müssen bei der Ausschöpfung der Potenziale von KI aktiv werden. Digitalisierung und Datenmanagement in den Betrieben sind wichtige Grundlagen für eine erfolgreiche KI-Anwendung. Schulungen und Weiterbildungen für rechtskonforme Anwendung und unternehmensorientierte Umsetzung sind unabdingbar.
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