{"id":882834,"date":"2025-10-01T10:40:56","date_gmt":"2025-10-01T08:40:56","guid":{"rendered":"https:\/\/infodienst.info\/?p=882834"},"modified":"2025-10-01T10:47:48","modified_gmt":"2025-10-01T08:47:48","slug":"die-gefaehrliche-fragilitaet-des-digitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infodienst.info\/?p=882834","title":{"rendered":"Die gef\u00e4hrliche Fragilit\u00e4t des \u00bbDigitalismus\u00ab"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Welt ist auf dem Weg zur totalen digitalen Vernetzung, und genau das macht sie verwundbarer denn je. Der Soziologieprofessor Dean Curran von der \u203aUniversity of Calgary\u2039 <a href=\"https:\/\/theconversation.com\/the-warning-signs-are-clear-were-heading-toward-a-digital-crisis-264529\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">warnt<\/a> jetzt aufgrund seiner eigenen Forschungen eindringlich: Wir steuern auf eine systemische digitale Krise zu, die Alarmzeichen sind l\u00e4ngst nicht mehr zu \u00fcbersehen. \u00bb<em>Von Datenlecks wie dem Equifax-Datendiebstahl im Jahr 2017 bis hin zum j\u00fcngsten Cyberangriff auf den britischen Einzelh\u00e4ndler Marks &amp; Spencer sind Gesch\u00e4ftsabl\u00e4ufe und Daten im Internet weiterhin anf\u00e4llig<\/em>.\u00ab<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Das gro\u00dfe digitale Experiment<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Tech-Konzerne f\u00fchren ein gewaltiges gesellschaftliches Experiment durch \u2013 auf unser aller Kosten. W\u00e4hrend sie \u00bb<em>den L\u00f6wenanteil der Gewinne einstreichen<\/em>\u00ab, werden die Risiken auf die Gesellschaft abgew\u00e4lzt. Das Gesch\u00e4ftsmodell der digitalen Wirtschaft basiert darauf, so schnell wie m\u00f6glich so gro\u00df wie m\u00f6glich zu werden. Die Folge: immer mehr Vernetzung, immer weniger Redundanz, immer gr\u00f6\u00dfere Komplexit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Parallelen zur Finanzkrise 2008<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Curran zieht einen beunruhigenden Vergleich: Die heutige digitale Wirtschaft \u00e4hnelt dem Finanzsystem vor 2008. Damals f\u00fchrte die enge Verflechtung der Banken bei gleichzeitigem Abbau von Sicherheitspuffern zur Katastrophe. Heute sehen wir dasselbe Muster: Die \u00bbMove fast and break things\u00ab-Mentalit\u00e4t der Tech-Firmen eliminiert Konkurrenten und analoge Alternativen, w\u00e4hrend die Abh\u00e4ngigkeiten zwischen Datenbanken, Plattformen und Netzwerken explosionsartig zunehmen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Doch es gibt einen wichtigen Unterschied zu 2008: Diesmal sind die Warnsignale nicht versteckt, sondern f\u00fcr alle sichtbar. Cyberangriffe verursachen Milliardensch\u00e4den. Beispielsweise legte der \u00bbCrowdStrike-Ausfall\u00ab am 19.07.2024 Zehntausende Systeme lahm. Ein fehlerhaftes Update der Sicherheitssoftware verursachte dabei weltweite Computerausf\u00e4lle, die den Flugverkehr, das Bankwesen, den Rundfunk und andere Dienste beeintr\u00e4chtigten. \u00dcberall zeigen st\u00e4ndige Hackerangriffe, Ransomware und Datenlecks die extreme Fragilit\u00e4t des Systems.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">KI als Brandbeschleuniger<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">K\u00fcnstliche Intelligenz versch\u00e4rft die Situation dramatisch. AI-Halluzinationen und die exponentielle Zunahme von Desinformation sind neue Risikofaktoren. Tempo und Ausma\u00df der KI-Entwicklung intensivieren bestehende Gefahren f\u00fcr Vertraulichkeit, Systemintegrit\u00e4t und Verf\u00fcgbarkeit.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Das politische Versagen<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das eigentliche Problem liegt tiefer: Regierungen k\u00f6nnen nicht zwischen wertvollen gesellschaftlichen Beitr\u00e4gen und massiv sch\u00e4dlichen Entwicklungen unterscheiden. Die Tech-Industrie erhielt freie Hand, mit unseren H\u00e4usern, pers\u00f6nlichen Daten und Arbeitspl\u00e4tzen zu experimentieren. W\u00e4hrend wir durchaus f\u00e4hig seien, eingetretene Sch\u00e4den zu regulieren, versagen wir beim Verhindern der n\u00e4chsten Krise, ist Curran \u00fcberzeugt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Seine d\u00fcstere Prognose: Erst wenn die M\u00e4chtigen einen ausreichend gro\u00dfen Schock erleben, wird sich etwas \u00e4ndern. Bis dahin balancieren wir auf Messers Schneide \u2013 in Erwartung eines digitalen Kollapses, der von einem massiven Infrastrukturausfall bis zur gezielten Manipulation lebenswichtiger Systeme reichen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Wenn KI das Netz destabilisiert<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">In die gleiche Kerbe wie Dean Curran schl\u00e4gt auch der deutsche KI-Pionier Prof. Dr. Karl Hans Bl\u00e4sius, der seit den 1980er Jahren auf dem Gebiet der k\u00fcnstlichen Intelligenz forscht und eindringlich vor den gesellschaftlichen und sicherheitspolitischen Risiken einer allumfassenden Digitalisierung und unkontrollierten KI-Entwicklung <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1KVfX6Qc87E&amp;t=1609s\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">warnt<\/a>. Er sagt: Generative KI-Systeme, die heute Texte, Bilder oder Programme erzeugen, k\u00f6nnten in Zukunft weit \u00fcber ihre aktuellen Funktionen hinausgehen. Sie werden nicht nur auf Befehle reagieren, sondern zunehmend eigenst\u00e4ndig handeln, sich gegenseitig verst\u00e4rken und digitale Kettenreaktionen ausl\u00f6sen. Solche \u00bbFlash Wars\u00ab \u2013 blitzschnelle Abfolgen von Angriffen und Gegenangriffen \u2013 k\u00f6nnten das Internet destabilisieren und globale Krisen wie Finanzzusammenbr\u00fcche oder Versorgungsengp\u00e4sse nach sich ziehen. Besonders kritisch ist der Einsatz von KI f\u00fcr Cyberangriffe, da erfolgreiche Strategien sich selbst verst\u00e4rken und digitale Waffen beliebig oft eingesetzt werden k\u00f6nnen, was zu einer unkontrollierbaren Eskalation f\u00fchren kann.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein weiteres zentrales Risiko ist die Erosion objektiver Wahrheit: KI kann in gro\u00dfer Menge Texte, Bilder, Videos und Audios erzeugen, deren Wahrheitsgehalt nicht \u00fcberpr\u00fcfbar ist. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen echt und gef\u00e4lscht, was Medien, Politik und Gesellschaft destabilisiert und die Polarisierung verst\u00e4rkt. Auch milit\u00e4rische Systeme sind gef\u00e4hrdet: Fr\u00fchwarnsysteme m\u00fcssen Entscheidungen in Sekunden treffen, arbeiten aber mit unsicheren Daten. Fehlalarme k\u00f6nnten fatale Konsequenzen haben, etwa einen Atomkrieg aus Versehen.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Der schmale Grat: Chancen nutzen, Risiken beherrschen<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Entwicklung hin zu einer Superintelligenz, die sich selbst verbessert und den Menschen \u00fcbertrifft, w\u00fcrde diese Risiken versch\u00e4rfen. Eine solche Intelligenz w\u00e4re nicht kontrollierbar, und Sicherheitsmechanismen k\u00f6nnten schnell wirkungslos werden. Bl\u00e4sius sieht zwar enormes Potenzial der KI in Medizin, Wirtschaft und Wissenschaft, betont aber, dass technische L\u00f6sungen allein nicht ausreichen. Nur internationale Kooperation, Vertrauen und verbindliche Abkommen k\u00f6nnen verhindern, dass KI zu einer existenziellen Bedrohung wird.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\"><small>\u00a9 \u203aInfodienst fut\u016brum\u2039. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.<\/small><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Welt ist auf dem Weg zur totalen digitalen Vernetzung, und genau das macht sie verwundbarer denn je. 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