{"id":2635441,"date":"2026-09-27T10:45:23","date_gmt":"2026-09-27T08:45:23","guid":{"rendered":"https:\/\/infodienst.info\/?p=2635441"},"modified":"2026-09-27T10:51:11","modified_gmt":"2026-09-27T08:51:11","slug":"globale-katastrophen-wo-die-welt-am-widerstandsfaehigsten-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infodienst.info\/?p=2635441","title":{"rendered":"Globale Katastrophen: Wo die Welt am widerstandsf\u00e4higsten ist"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Wohin, wenn die Welt aus den Fugen ger\u00e4t? Eine internationale Metastudie hat erstmals zusammengetragen, welche L\u00e4nder globalen Katastrophen am besten trotzen w\u00fcrden. Die Antwort ist unbequem: Eine perfekte Zuflucht gibt es nicht. Aber es gibt Eigenschaften, die \u00fcber Leben und Tod ganzer Gesellschaften entscheiden k\u00f6nnen \u2013 und viele davon lassen sich beeinflussen.<\/span><\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Zusammenfassung:<\/strong> Ein Atomkrieg, dessen Ru\u00df den Himmel verdunkelt. Ein Sonnensturm, der Stromnetze \u00fcber Kontinente hinweg lahmlegt. Eine Pandemie, weit t\u00f6dlicher als Covid-19. Solche globalen Katastrophen k\u00f6nnten innerhalb weniger Monate oder Jahre einen gro\u00dfen Teil der Menschheit das Leben kosten. Ein internationales Forschungsteam um Florian Ulrich Jehn (<a href=\"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/universitaet\/aktuelles\/2026\/08\/jehn-wohin-wenn-die-welt-untergeht.shtml\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FernUniversit\u00e4t Hagen<\/a>) hat nun auf der Grundlage von 152 Fachpublikationen erstmals zusammengetragen, welche Regionen ihnen am besten standhalten w\u00fcrden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Das Ergebnis passt in einen Satz:<\/strong> Einen sicheren Ort f\u00fcr alle Szenarien gibt es nicht. Am h\u00e4ufigsten als widerstandsf\u00e4hig genannt wird Australien. Es liegt auf der S\u00fcdhalbkugel und fernab der Atomm\u00e4chte, hatte seit dem Ende der letzten Eiszeit keinen Vulkanausbruch, produziert reichlich Nahrung und kann seine Grenzen schlie\u00dfen. Dahinter folgen Neuseeland, Japan, die Schweiz und Argentinien; auch Uruguay schneidet gut ab, ist aber kaum untersucht. Doch jedes Land hat Schwachstellen: Neuseeland aktive Vulkane und wenig Industrie, Japan eine hohe Abh\u00e4ngigkeit vom Handel. Selbst Australien bliebe auf importierten Treibstoff, Medikamente und D\u00fcnger angewiesen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Vier Faktoren tauchen in der Literatur immer wieder auf:<\/strong> geografische Abgeschiedenheit, Selbstversorgung mit Lebensmitteln, gute Regierungsf\u00fchrung \u2013 demokratisch, wenig korrupt, mit geringer Ungleichheit \u2013 und dezentrale Strukturen ohne einzelne Schwachstelle. Viele davon widersprechen sich. Eine Insel kann sich gegen Viren abschotten, ist aber nach einem Netzzusammenbruch auf sich allein gestellt. Wie wirksam Abschottung sein kann, zeigte Covid-19: Inselstaaten verzeichneten nur rund ein Drittel der \u00dcbersterblichkeit anderer L\u00e4nder.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die gute Nachricht: Regierungsqualit\u00e4t und Dezentralisierung lassen sich politisch gestalten, und sie helfen gegen jedes untersuchte Risiko. Umso bedenklicher finden die Forscher, dass Demokratien weltweit schw\u00e4cheln, die Ungleichheit w\u00e4chst und Lieferketten sich auf wenige Knoten konzentrieren. Ihr wichtigster Schluss bleibt dennoch: Katastrophen zu verhindern ist immer besser, als sie \u2013 mit viel Gl\u00fcck \u2013 zu \u00fcberstehen.<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2635539\" src=\"https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_kurz.png\" alt=\"\" width=\"1639\" height=\"2080\" srcset=\"https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_kurz.png 1639w, https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_kurz-236x300.png 236w, https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_kurz-851x1080.png 851w, https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_kurz-768x975.png 768w, https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_kurz-1210x1536.png 1210w, https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_kurz-1614x2048.png 1614w, https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_kurz-1232x1563.png 1232w\" sizes=\"auto, (max-width: 1639px) 100vw, 1639px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\">Die drei Risikofamilien, die h\u00e4ufig als robust genannten L\u00e4nder und die vier zentralen Schutzfaktoren. Eigene Darstellung auf Basis der Studie.<\/span><\/em><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Drei Familien der Katastrophe<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Studie ordnet die Gefahren in drei Gruppen. Die erste ist der pl\u00f6tzliche Verlust von Sonnenlicht. Ru\u00df aus Feuerst\u00fcrmen nach einem Atomkrieg, Schwefelschwaden eines gewaltigen Vulkanausbruchs oder Staub nach einem Asteroideneinschlag k\u00f6nnten die Erde \u00fcber Wochen und Monate verdunkeln. Die Folgen: K\u00e4lte, verk\u00fcrzte Wachstumsperioden, Missernten und ein zusammenbrechender Lebensmittelhandel.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die zweite Gruppe ist der gro\u00dffl\u00e4chige Ausfall von Infrastruktur, vor allem ein langanhaltender Blackout. Ausl\u00f6ser k\u00f6nnten ein extremer Sonnensturm sein, ein elektromagnetischer Puls durch eine in gro\u00dfer H\u00f6he gez\u00fcndete Atombombe, ein koordinierter Cyberangriff oder eine Pandemie, bei der ein gro\u00dfer Teil der Besch\u00e4ftigten ausf\u00e4llt. Ohne Elektrizit\u00e4t stehen K\u00fchlketten, Transport und D\u00fcngerproduktion still.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die dritte Gruppe sind biologische Katastrophen: nat\u00fcrliche Pandemien, die Covid-19 weit \u00fcbertreffen, Laborunf\u00e4lle oder Biowaffen (z.B. Synthetische Biologie). Neben den direkten Todesopfern drohen zusammenbrechende Gesundheitssysteme, fehlendes Personal und Hungerkrisen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcr ihre \u00dcbersicht werteten die Forscher 152 Publikationen aus. Rund die H\u00e4lfte stammte aus einer systematischen Datenbanksuche, die andere H\u00e4lfte steuerten Fachleute f\u00fcr Vulkanologie, Cyberangriffe, Ern\u00e4hrungssysteme und gesellschaftlichen Kollaps bei. Welche L\u00e4nder als besonders widerstandsf\u00e4hig gelten, ergibt sich daraus, wie oft sie in der Literatur ausdr\u00fccklich genannt werden oder die dort beschriebenen Merkmale erf\u00fcllen. Eine exakte Rangliste wollen die Autorinnen und Autoren ausdr\u00fccklich nicht liefern.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Was Gesellschaften robust macht<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Einige Faktoren helfen gegen fast alles. An erster Stelle steht funktionierende Regierungsf\u00fchrung: Wer keine handlungsf\u00e4higen Institutionen hat, kann Ressourcen weder mobilisieren noch verteilen. Demokratische Staaten schneiden in der Literatur besser ab, ebenso Gesellschaften mit geringer Ungleichheit, wenig Korruption und hohem Vertrauen. Historische Beispiele st\u00fctzen das: W\u00e4hrend einer K\u00e4ltephase im sechsten Jahrhundert, die Forscher als Modell f\u00fcr einen nuklearen Winter nutzen, kamen Gesellschaften mit breiter politischer Beteiligung besser durch die Krise. Und in der Covid-19-Pandemie hatten L\u00e4nder mit geringerer Einkommensungleichheit weniger \u00dcbersterblichkeit.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Hinzu kommt eine starke industrielle Basis, die sich im Notfall umr\u00fcsten l\u00e4sst, Wohlstand, eine gewisse Unabh\u00e4ngigkeit vom Welthandel und eine abgelegene Lage. Gro\u00dfe Inseln gelten als besonders g\u00fcnstig: Das umgebende Meer puffert Temperaturst\u00fcrze, und Grenzen lassen sich leicht schlie\u00dfen. Kleine Inseln dagegen sind durch Tsunamis und den steigenden Meeresspiegel gef\u00e4hrdet und wirtschaftlich zu schwach, um sich selbst zu versorgen. St\u00e4dte wiederum werden in einer globalen Krise schnell zur Falle, weil sie auf st\u00e4ndigen Nachschub angewiesen sind.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Wenn die Sonne verschwindet<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Beim Szenario Verdunkelung spielt die Geografie die Hauptrolle. Die S\u00fcdhalbkugel ist klar im Vorteil: Dort gibt es keine Atomm\u00e4chte, weniger gro\u00dfe Vulkane und mehr Ozeanfl\u00e4che, die Temperaturen stabilisiert. Direkt gef\u00e4hrdet w\u00e4ren dagegen die Atomm\u00e4chte selbst \u2013 die USA, Russland, Gro\u00dfbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea \u2013, ihre Gegner und ihre Verb\u00fcndeten, also auch die NATO-Staaten. Beim Klima trifft es vor allem hohe n\u00f6rdliche Breiten. Als besonders verwundbar nennt die Literatur neben den USA, Kanada, Russland und China auch Mittel- und Osteuropa. Eine neuere Analyse zeigt zudem, dass tief reichender Frost Trinkwasserleitungen n\u00f6rdlich von etwa 25 Grad Breite besch\u00e4digen k\u00f6nnte \u2013 das schlie\u00dft ganz Europa ein.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Am besten schneidet Australien ab: Es liegt im S\u00fcden, fernab potenzieller Konfliktherde, hatte seit Ende der letzten Eiszeit keinen Vulkanausbruch, ist ein gro\u00dfer Lebensmittelproduzent mit vielf\u00e4ltigen Klimazonen und verf\u00fcgt \u00fcber Kohle, Gas und W\u00e4lder. Tasmanien gilt den Wissenschaftlern gar als \u00bbZuflucht in der Zuflucht\u00ab. Allerdings k\u00f6nnte das B\u00fcndnis mit den USA Australien auf eine Zielliste setzen. Danach folgen Argentinien, Brasilien und Neuseeland. Die beiden s\u00fcdamerikanischen Agrarriesen punkten mit gro\u00dfer Nahrungsproduktion, leiden aber unter hoher Ungleichheit und politischer Instabilit\u00e4t. Neuseeland hat aktive Vulkane, wenig Industrie und ist rundum Tsunamis ausgesetzt. Uruguay gilt als sehr demokratisch und landwirtschaftlich stark, ist aber klein. Chile k\u00f6nnte an seiner langen Pazifikk\u00fcste Algen anbauen \u2013 diese gelten als vielversprechende Notnahrung \u2013, h\u00e4ngt aber stark von Fischerei und Handel ab. Island schlie\u00dflich ist ein Widerspruch: Insel, vulkanerfahren, aber so weit im Norden, dass es einen heftigen K\u00e4lteschock erleiden w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00dcberraschend ist ein Detail zur Energie: Wind- und Solarstrom w\u00fcrden bei verdunkeltem Himmel einbrechen. Im Vorteil w\u00e4ren Regionen mit Wasserkraft, Geothermie oder viel Holz. Und f\u00fcr Nahrungsdepots empfiehlt eine der zitierten Arbeiten Hochlagen am \u00c4quator, etwa in den Anden rund um La Paz in Bolivien oder Pasto in Kolumbien: Sie sind durch ihre H\u00f6he gesch\u00fctzt, weniger von der Verdunkelung betroffen und weit weg von Tsunamis.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Wenn der Strom ausf\u00e4llt<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Gegen einen Infrastrukturkollaps hilft paradoxerweise oft weniger Hightech. Je digitaler eine Gesellschaft, desto verwundbarer ist sie. Kleinb\u00e4uerliche und \u00f6kologische Landwirtschaft, die kaum Kunstd\u00fcnger braucht, w\u00fcrde ihre Ertr\u00e4ge nach einem Netzausfall weitgehend halten. Die Ukraine zeigte, dass \u00e4ltere Stromnetze nach russischen Cyberangriffen auf Handbetrieb umgestellt werden k\u00f6nnen \u2013 moderne Netze k\u00f6nnen das oft nicht mehr. Das eng verflochtene europ\u00e4ische Netz kann Ausf\u00e4lle abfedern, wie grenz\u00fcberschreitende Hilfe zeigt, kann St\u00f6rungen aber auch weitertragen, wie der Blackout in Spanien und Portugal 2025 bewies. Wie empfindlich Volkswirtschaften sind, belegt ein historisches Beispiel: Als Japans Industriekapazit\u00e4t im Zweiten Weltkrieg auf etwa 30 Prozent zerst\u00f6rt war, brach die Produktion um rund 80 Prozent ein.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Bei Sonnenst\u00fcrmen z\u00e4hlt die Lage. Am st\u00e4rksten gef\u00e4hrdet sind Kanada, die USA, Gro\u00dfbritannien, Irland, Norddeutschland, das Baltikum, Skandinavien, Russland, Neuseeland und Tasmanien. Vorwarnsysteme f\u00fcr Weltraumwetter haben nur wenige, darunter die USA, die EU, Gro\u00dfbritannien, Japan, Australien, Frankreich und China. Einen Atomschlag in gro\u00dfer H\u00f6he m\u00fcssen vor allem Staaten f\u00fcrchten, die mit Atomm\u00e4chten im Konflikt stehen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die besten Karten haben erneut Australien und Neuseeland \u2013 sofern der Handel weiterl\u00e4uft. Neuseeland produziert sogar eigenen Stickstoffd\u00fcnger. Als Kompromisskandidaten nennt die Studie die Schweiz und Uruguay: beide demokratisch, mit geringer Ungleichheit und stabilen Netzen dank Wasserkraft. Die Schweiz hat teilweise geh\u00e4rtete Infrastruktur, k\u00f6nnte aber bei einem elektromagnetischen Puls \u00fcber Europa zum Kollateralschaden werden. Uruguay liegt weit weg von Zielen und Sonnensturmzonen. Kuba zeigte trotz autorit\u00e4rer F\u00fchrung, dass eine Landwirtschaft mit wenig D\u00fcnger und Treibstoff funktionieren kann.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Wenn ein Erreger kommt<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Zu Pandemien gibt es dank Covid-19 die meisten Daten. Starke, gut finanzierte Gesundheitssysteme, allgemeine Krankenversicherung, gute \u00dcberwachung und eine gesunde Bev\u00f6lkerung helfen. Noch deutlicher wirkt die Geografie: Inselstaaten verzeichneten in der Pandemie im Schnitt 64,8 zus\u00e4tzliche Todesf\u00e4lle je 100.000 Einwohner, andere L\u00e4nder 194,3 \u2013 obwohl ihre Gesundheitssysteme oft schw\u00e4cher sind. Staaten, die das Virus konsequent aussperrten, hatten 2020 und 2021 praktisch keine \u00dcbersterblichkeit. Auch abgelegene L\u00e4nder wie Bhutan oder Island kamen vergleichsweise gut durch. Dass es ohne Insellage geht, zeigen China und Westaustralien, die die Folgen \u00fcber lange Zeit begrenzen konnten. Entscheidend waren zudem Vertrauen in Institutionen, wenig Korruption und politische Entschlossenheit. Die schlechte Bilanz der USA und Lateinamerikas f\u00fchrt die Literatur auch auf mangelnden politischen Willen und geringen gesellschaftlichen Zusammenhalt zur\u00fcck.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Australien und Neuseeland erf\u00fcllen fast alle Kriterien. Skandinavien, Kanada und die Schweiz ebenso \u2013 nur liegen sie nicht abgelegen. Die Schweiz k\u00f6nnte sich dank ihrer Berge abschotten, ist aber klein und handelsabh\u00e4ngig. Norwegen sticht durch seine Energieunabh\u00e4ngigkeit aus \u00d6l und Wasserkraft hervor. Japan und S\u00fcdkorea haben starke Gesundheitssysteme, aber eine alternde Bev\u00f6lkerung und h\u00e4ngen am Welthandel.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Und wo steht Deutschland?<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Direkt bewertet wird Deutschland nicht, doch einige Befunde betreffen es unmittelbar. Als NATO-Mitglied in Mitteleuropa l\u00e4ge es in der Zone, die bei einem nuklearen Winter besonders verwundbar ist, und im Einzugsbereich des Trinkwasserrisikos. Norddeutschland geh\u00f6rt zu den Regionen mit erh\u00f6htem Sonnensturmrisiko. Auf der Habenseite stehen ein gutes Gesundheitssystem \u2013 Deutschland z\u00e4hlt beim globalen Gesundheitssicherheitsindex noch zur Spitzengruppe \u2013, die Vorwarnkapazit\u00e4ten der EU und eine gro\u00dfe Industrie.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Der Preis der Sicherheit<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das vielleicht wichtigste Ergebnis sind die Zielkonflikte. Was gegen die eine Gefahr sch\u00fctzt, schw\u00e4cht gegen die andere. Abgeschiedenheit h\u00e4lt Viren fern, macht aber nach einem Blackout einsam. Eine gro\u00dfe Industrie kann Ersatznahrung produzieren, erh\u00f6ht aber die digitale Abh\u00e4ngigkeit. Hohe Ertr\u00e4ge schaffen Reserven, setzen aber D\u00fcnger voraus. Selbst \u00f6kologisch W\u00fcnschenswertes hat eine Kehrseite: Weniger Fleischproduktion schont den Planeten, doch das Futter der Tiere w\u00e4re in einer Hungerkrise eine riesige stille Nahrungsreserve.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Deshalb weigern sich die Forscher, eine Gesamtrangliste zu erstellen: Ob geringe Ungleichheit wichtiger ist als eigene D\u00fcngerproduktion, sei auch eine Wertefrage.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Was sich \u00e4ndern l\u00e4sst<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Eine Insel kann kein Land werden, die S\u00fcdhalbkugel ist nicht w\u00e4hlbar. Doch zwei Faktoren helfen gegen alle untersuchten Gefahren und lassen sich politisch gestalten: gute Regierungsf\u00fchrung und Dezentralisierung \u2013 etwa verteilte Lebensmittelvorr\u00e4te, Inselnetze und vielf\u00e4ltige Landwirtschaft. Dazu kommen konkrete Vorsorgeschritte: globale Katastrophenrisiken in nationale Risikoanalysen aufnehmen, in krisenfeste Nahrung wie Algen oder Einzellerprotein investieren und schon vorab Handelsabkommen f\u00fcr den Ernstfall schlie\u00dfen. Australien und Neuseeland k\u00f6nnten zu Ankerpunkten einer globalen Vorsorge werden, etwa mit Saatgutbanken und Nahrungsdepots.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Sorge bereitet dem Team, dass sich gerade die wichtigsten Stellschrauben in die falsche Richtung drehen: Demokratien geraten weltweit unter Druck, die Ungleichheit w\u00e4chst, Lieferketten konzentrieren sich. Die Autorinnen und Autoren r\u00e4umen auch Grenzen ein: Australien und Neuseeland sind besonders gut erforscht, andere L\u00e4nder vielleicht nur \u00fcbersehen. Vulkane, Cyberangriffe und elektromagnetische Pulse sind kaum untersucht, und innerhalb eines Landes k\u00f6nnen l\u00e4ndliche Regionen weit robuster sein als St\u00e4dte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Am Ende steht eine klare Botschaft: Vorbeugen ist immer besser als (vielleicht) \u00dcberleben. Doch manche Katastrophen, etwa gro\u00dfe Vulkanausbr\u00fcche, lassen sich nicht verhindern. Wie gut sich Gesellschaften darauf vorbereitet haben, w\u00fcrde dann in Menschenleben gemessen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2635541\" src=\"https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_voll.png\" alt=\"\" width=\"1639\" height=\"2320\" srcset=\"https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_voll.png 1639w, https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_voll-212x300.png 212w, https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_voll-763x1080.png 763w, https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_voll-768x1087.png 768w, https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_voll-1085x1536.png 1085w, https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_voll-1447x2048.png 1447w, https:\/\/infodienst.info\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/infografik_voll-1232x1744.png 1232w\" sizes=\"auto, (max-width: 1639px) 100vw, 1639px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\">L\u00e4nder-Check mit St\u00e4rken und Schwachstellen, besonders exponierte Regionen und zentrale Zielkonflikte. Qualitative Einordnung auf Basis des Studientexts, eigene Darstellung.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\">Grundlage: Jehn, F. U. et al.: \u00bb<a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/gch2.70146\">No Place to Hide? Regional Resilience and Vulnerability to Global Catastrophic Risk<\/a>\u00ab.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\">\u00a9 RiskCompass infodienst Krisenticker. Illustration: Pixabay. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterst\u00fctzend KI eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung f\u00fcr den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wohin, wenn die Welt aus den Fugen ger\u00e4t? 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