{"id":1597660,"date":"2026-04-02T00:07:32","date_gmt":"2026-04-01T22:07:32","guid":{"rendered":"https:\/\/infodienst.info\/?p=1597660"},"modified":"2026-04-03T15:30:12","modified_gmt":"2026-04-03T13:30:12","slug":"buchbesprechung-aaron-good-der-verborgene-apparat-der-us-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infodienst.info\/?p=1597660","title":{"rendered":"Buchbesprechung: Aaron Good \u2013 Der verborgene Apparat der US-Macht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der US-amerikanische Historiker Aaron Good zeichnet in seinem Buch \u00bbAmerican Exception: Empire and the Deep State\u00ab sowie in einem aktuellen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Yenf8qKTRSM\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gespr\u00e4ch<\/a> mit dem Historiker Pascal Lottaz ein d\u00fcsteres Bild der amerikanischen Staatlichkeit \u2013 eines, das mit dem Selbstbild der \u203aliberalen Demokratie\u2039 kaum vereinbar ist. Goods These lautet, kurzgefasst: Die Vereinigten Staaten sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine imperiale Macht, die durch einen massiven, gesetzlosen Sicherheitsapparat regiert wird, welcher in einer symbiotischen Beziehung zum organisierten Verbrechen steht. Dieser Apparat, den Good als \u00bbTiefen Staat\u00ab bezeichnet, ist kein Randph\u00e4nomen der US-Demokratie, sondern ihr eigentlicher Kern.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Der dreigliedrige Staat<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Good entwickelt ein theoretisches Modell, das er als \u00bbTripartite State\u00ab bezeichnet: ein dreiteiliges Staatswesen. Auf der sichtbaren Ebene operiert der demokratische Verfassungsstaat mit Kongress, Pr\u00e4sident und Justiz. Darunter liegt der Sicherheitsstaat \u2013 Pentagon, CIA, FBI, NSA und 15 weitere Geheimdienste \u2013, der formell vom Kongress finanziert wird, aber jenseits demokratischer Kontrolle agiert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Entscheidend sei dabei, dass dieser Sicherheitsstaat nicht nach den Prinzipien von Transparenz und Rechtsstaatlichkeit operiert, sondern durch Geheimhaltung, Ausnahmezustand und systematischen Gesetzesbruch. Good spricht ausdr\u00fccklich von einer \u00bb<em> \u2026 long history of lawbreaking<\/em>\u00ab. Als Beispiele nennt er CIA-Operationen im Inland, <a href=\"https:\/\/www.deutsches-spionagemuseum.de\/spionage\/mkultra\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MKULTRA<\/a>, Attentatspl\u00e4ne im Ausland sowie verdeckte Kooperationen mit Drogenh\u00e4ndlern und organisiertem Verbrechen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Hier wird eine wesentliche Leitidee des Buches sichtbar: Die Vereinigten Staaten erscheinen als ein Staat, der im Innersten nach der Logik des \u00bb<em>permanenten Ausnahmezustands<\/em>\u00ab funktioniert. Good greift implizit auf den deutschen Juristen Carl Schmitt zur\u00fcck (\u00bbSouver\u00e4n ist, wer \u00fcber den Ausnahmezustand entscheidet\u00ab), wenn er von einer Ordnung spricht, die fortw\u00e4hrend neue Notst\u00e4nde produziert \u2013 zun\u00e4chst den globalen Kommunismus, sp\u00e4ter den \u00bbWar on Terror\u00ab. Dadurch werde der Rechtsbruch institutionell normalisiert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Darunter, noch tiefer \u2013 unter dem Sicherheitsstaat, befindet sich das, was Good als den eigentlichen \u00bbTiefen Staat\u00ab bezeichnet: eine Verflechtung von oligarchischem Kapital, organisiertem Verbrechen und nationalen Sicherheitsakteuren, die gemeinsam die Realit\u00e4t amerikanischer Macht konstituieren. Nach Good umfasst der Tiefe Staat die Beziehungen zwischen der \u00bbOverworld of Corporations\u00ab, der \u00bbUnderworld of organized crime\u00ab und den nationalen Sicherheitsakteuren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Gerade diese Verbindung zwischen legaler Oberwelt und illegaler Unterwelt bildet den Kern der Argumentation. Good beschreibt den amerikanischen Staat als ein symbiotisches System, in dem Kriminalit\u00e4t nicht Randerscheinung, sondern \u00bb<em>konstitutiver Bestandteil von Herrschaft<\/em>\u00ab ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Konzept des \u00bbTiefen Staates\u00ab entnimmt Good einerseits der t\u00fcrkischen Politikwissenschaft (siehe: \u00bb<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Deep_state_in_Turkey\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">derin devlet<\/a>\u00ab), andererseits dem Werk des Berkeley-Professors Peter Dale Scott. Dieser entwickelte eine Theorie der \u00bb<a href=\"https:\/\/www.bloomsbury.com\/uk\/american-deep-state-9781442214255\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tiefenpolitik<\/a>\u00ab und schrieb in den fr\u00fchen 1990er Jahren von einem \u00bbDeep Political System\u00ab \u2013 einem \u00bb<em>gesetzlosen System, dessen Durchsetzung innerhalb und au\u00dferhalb offizieller Kan\u00e4le stattfindet<\/em>\u00ab. Good argumentiert, dass dieser tiefe Staat keine Verschw\u00f6rung im klassischen Sinne ist, sondern eine strukturelle Formation: \u00bb<em>all jene Institutionen, die kollektiv eine Top-down-Herrschaft in einer nominellen Demokratie erm\u00f6glichen.<\/em>\u00ab<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der entscheidende Punkt dabei ist die Kriminalisierung des Staates selbst. Die USA haben als Hauptarchitekt die UN-Charta ratifiziert, die Angriffskriege verbietet \u2013 und verletzen diese Norm, die nach der US-Verfassung Bestandteil des h\u00f6chsten Rechts des Landes ist, permanent und systematisch. Doch weil der Staat im Ausnahmezustand operiert, gibt es keine Instanz, die diese Kriminalit\u00e4t wirksam ahnden k\u00f6nnte. Die USA seien \u00bb<em>verdeckt exzeptionalistisch<\/em>\u00ab \u2013 sie inszenieren permanent Notstandsszenarien, um Gesetzlosigkeit zu institutionalisieren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, so seine Lesart, transformierten sich die Vereinigten Staaten von einer expansionistischen Republik zu einem globalen Imperium, das auf die Dominanz des kapitalistischen Weltsystems zielte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Sicherheitsstaat erscheint hier als institutionelle Voraussetzung imperialer Herrschaft. Ein solches Imperium, so Good, k\u00f6nne gar nicht legal gef\u00fchrt werden, weil seine Funktion gerade darin bestehe, Kapitalinteressen weltweit gegen lokale Souver\u00e4nit\u00e4tsanspr\u00fcche durchzusetzen.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Mobster, Meyer Lansky, Las Vegas und die Drogenmaschine<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Herzst\u00fcck von Goods historischer Analyse ist dabei die Figur des Mobsters Meyer Lansky (Mastermind der sogenannten Kosher Nostra) und die Entstehungsgeschichte der modernen amerikanischen Verbrechensinfrastruktur. Bereits im Zweiten Weltkrieg kooperierte die US-Regierung mit Lansky, der das nationale Verbrechersyndikat kontrollierte. Im Austausch f\u00fcr die \u00bb<em>Sicherung der Docks vor Sabotage<\/em>\u00ab wurde sein Partner Lucky Luciano aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen. 1945 erhielt Lansky die Presidential Medal of Freedom \u2013 in einer geheimen Zeremonie, die bis heute kaum diskutiert wird.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Kurz darauf, um 1945\/46, etablierte Lansky \u00fcber einen Mittelsmann namens Harold (Happy) Meltzer eine Heroinroute nach Mexiko-Stadt. Das damit verbundene Geldw\u00e4scheproblem f\u00fchrte zum Gl\u00fccksspielparadies Las Vegas: \u00bb<em>Er schuf die Stadt Las Vegas. Und diese Stadt Las Vegas, mit all diesen Casinos, war h\u00f6chstwahrscheinlich prim\u00e4r ein Instrument zur Geldw\u00e4sche von Drogengeldern.<\/em>\u00ab Las Vegas, eine Stadt als materielle Form illegaler Finanzstr\u00f6me, ist damit kein amerikanischer Traum, sondern ein infrastruktureller Raum der Geldw\u00e4sche, ein Monument organisierter Kriminalit\u00e4t, finanziert durch Teamster-Kredite und gesch\u00fctzt durch die stille Komplizenschaft des Sicherheitsstaates.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Drogengesch\u00e4ft ist f\u00fcr Good kein staatliches Versagen, sondern eine strukturelle Konstante des amerikanischen Imperiums. Wo immer die USA milit\u00e4risch pr\u00e4sent waren, florierte die Drogenproduktion: S\u00fcdostasien wurde zum Heroinzentrum w\u00e4hrend des Vietnamkrieges, Afghanistan \u00fcbernahm diese Rolle nach dem Kalten Krieg. \u00bb<em>Das ist stets dieselbe Dynamik<\/em>\u00ab, stellt Good fest. Das organisierte Verbrechen dient dabei einem doppelten Zweck: Es generiert Schwarzgeldstr\u00f6me f\u00fcr verdeckte Operationen, und es schafft die Korruptionsstruktur, die zur Durchf\u00fchrung dieser Operationen notwendig ist. \u00bb<em>Die Nachrichtendienste arbeiten immer mit kriminellen Organisationen zusammen, weil sie die Verbindungen zu Politikern und Strafverfolgungsbeh\u00f6rden brauchen, um operieren zu k\u00f6nnen.<\/em>\u00ab<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Das JFK-Attentat als Knotenpunkt<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Kein Thema b\u00fcndelt Goods Analyse so eindr\u00fccklich wie die Ermordung John F. Kennedys. In seinem Argumentationsgef\u00fcge ist JFK die zentrale Gegenfigur zum Tiefen Staat; ein Pr\u00e4sident, der sich mehreren Machtkomplexen entgegenstellte. Er versuchte, Israel am Bau der Atombombe zu hindern\u00b9, unterst\u00fctzte pal\u00e4stinensische Fl\u00fcchtlingsrechte und wollte zionistische Lobbyorganisationen (z.B. das American Zionist Council) als ausl\u00e4ndische Agenten registrieren lassen. Dar\u00fcber hinaus unterst\u00fctzte er postkoloniale Nationalismen, wodurch im Rahmen seiner Indonesienpolitik Rockefeller-Interessen an der reichsten Goldmine der Menschheitsgeschichte \u2013 der Grasberg-Mine in Westpapua \u2013 bedroht worden w\u00e4ren. \u00bb<em>Jeder von ihnen hatte genug Gr\u00fcnde, ihn zu t\u00f6ten<\/em>\u00ab, res\u00fcmiert Good lapidar.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Vor diesem Hintergrund wird das Attentat auf JFK als Kulminationspunkt systemischer Machtk\u00e4mpfe interpretiert. Good pr\u00e4sentiert hier eine komplexe Konstellation aus Geheimdiensten, Mafiafiguren, Lobbystrukturen und geopolitischen Interessen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Jack Ruby, der M\u00f6rder des mutma\u00dflichen Attent\u00e4ters Lee Harvey Oswald, erscheint in dieser Lesart auch nicht als Einzelt\u00e4ter, sondern als \u00bb<em>ein Syndikat-Leutnant <\/em>[\u00bbsyndicate lieutenant\u00ab]<em>, eingebettet in ein weitreichendes Netzwerk<\/em>\u00ab. Seine Beziehungen nach Las Vegas und zur Drogenwirtschaft werden mehrfach hervorgehoben. Der FBI-Informant Ruby war bei der gesamten Polizei von Dallas bekannt und eng vernetzt mit der Las-Vegas-Mafia. In den Wochen vor dem Attentat rief er zahlreiche Vegas-Mob-Figuren an. Eine gr\u00fcndliche Untersuchung h\u00e4tte \u00bb<em>ein irrsinniges Ausma\u00df an Korruption<\/em>\u00ab offenbart \u2013 weswegen sie unterblieb.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Ruby starb im Gef\u00e4ngnis, nachdem er gegen\u00fcber Reportern angedeutet hatte, Teil einer Verschw\u00f6rung m\u00e4chtiger Kr\u00e4fte zu sein. Der CIA-Psychiater Louis Jolyon West \u2013 bekannt aus MKULTRA-Programmen \u2013 untersuchte ihn, und soll ihn nach Goods Darstellung zuvor mit Drogen versetzt haben, um ihn f\u00fcr unzurechnungsf\u00e4hig zu erkl\u00e4ren.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Zionismus als Netzwerk im Schatten<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der sensibelste Teil von Goods Analyse betrifft die Rolle des Zionismus \u2013 nicht als religi\u00f6se Bewegung, sondern als politisch-kriminelles Netzwerk innerhalb des amerikanischen Tiefen Staates. Good unterscheidet sorgf\u00e4ltig: Nicht Juden pauschal, sondern bestimmte zionistische Oligarchen und deren Organisationen (wie z.B. das American Zionist Council, sp\u00e4ter American Israel Public Affairs Committee; AIPAC) seien das Thema. Lansky selbst, Mickey Cohen und Moe Dalitz \u2013 die ma\u00dfgeblichen Figuren hinter Las Vegas und der Syndikatsstruktur \u2013 waren j\u00fcdische Zionisten, die gleichzeitig Waffenlieferungen an die zionistischen Kr\u00e4fte in Pal\u00e4stina im Umfeld der israelischen Staatsgr\u00fcndung organisierten und US-Waffenembargos sabotierten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Harry S. Trumans Anerkennung des Staates Israel 1948 geht nach Good auf eine massive Bestechung durch einen zionistischen Oligarchen zur\u00fcck. Der Gegensatz zwischen den demokratischen Administrationen, die st\u00e4rker gewerkschaftlich \u2013 und damit \u00fcber Teamster-Korruption zionistisch \u2013 vernetzt waren, und den republikanischen WASP-Oligarchen um Rockefeller und Standard Oil erkl\u00e4rt politische Verschiebungen: Eisenhower stoppte 1956 die Suez-Operation, weil er eine andere Interessenbasis hatte; US-Pr\u00e4sident Lyndon B. Johnson lie\u00df den Sechstagekrieg 1967 gew\u00e4hren, weil er \u00bbihr Mann\u00ab war.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das eigentliche Herrschaftsinstrument war und ist jedoch das Mittel der Erpressung. Von sexuellen Honeypots (Good nennt Jeffrey Epstein als Vorl\u00e4ufer einer langen Tradition) bis zur politischen Nutzung des Wissens \u00fcber das JFK-Attentat reicht ein System verdeckter Kontrolle: \u00bb<em>Die Art und Weise, wie Israel seine Macht hat, die USA zu erpressen, liegt daran, dass das US-Imperium ein kriminelles Unternehmen ist<\/em>\u00ab. Israel sei vermutlich Teilnehmer am Kennedy-Attentat gewesen \u2013 und h\u00e4lt seither das Wissen darum als Hebel. So belegen deklassifizierte Dokumente\u00b9, dass John F. Kennedy als US-Pr\u00e4sident gegen die atomare Bewaffnung Israels war und massiven Druck auf die israelische Regierung aus\u00fcbte. Oliver Stones Film \u00bbJFK \u2013 Tatort Dallas\u00ab (1991), produziert vom bekannten israelischen Gesch\u00e4ftsmann und Filmproduzent Arnon Milchan (der au\u00dferdem f\u00fcr den Mossad t\u00e4tig war und das israelische Atomwaffenprogramm unterst\u00fctzte), sei Teil dieser Logik: ein kontrolliertes Aufdecken, das den Druck aufrechterh\u00e4lt, ohne den eigentlichen Kern zu enth\u00fcllen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Good beschreibt hier mithin ein enges Verh\u00e4ltnis zwischen amerikanischen Eliten, Lobbyorganisationen, Teilen des organisierten Verbrechens und dem israelischen Staatsprojekt.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Das Imperium als Strukturprinzip<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Good bettet diese Analyse in eine \u00bbLongue dur\u00e9e\u00ab (zeitlich langsame Entwicklungsform) des amerikanischen Kapitalismus ein.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Denn der Tiefe Staat sei kein Produkt der Nachkriegszeit allein, sondern habe tiefere Wurzeln in der Entstehung des amerikanischen Kapitalismus. Hier kommt das Thema \u00bbIvy League\u00ab ins Spiel. Good argumentiert, dass zentrale Elitenetzwerke der Vereinigten Staaten \u2013 insbesondere Yale und die mit ihr verbundenen Geheimb\u00fcnde wie Skull and Bones \u2013 historisch mit dem Opiumhandel verbunden seien. W\u00f6rtlich: \u00bb<em>The Ivy Leagues have a lot of this old heroin money<\/em>\u00ab. Die Grundlagen der US-amerikanischen Wirtschaft ruhen also auf Opiumhandel (die Forbes-Familie, Russell &amp; Company als Gr\u00fcnder von Skull and Bones), Sklaverei und westlicher Expansion. Diese Passage ist zentral, weil sie das Argument auf die Ebene der Elitenreproduktion hebt. Universit\u00e4ten erscheinen nicht als neutrale Bildungsinstitutionen, sondern als historisch aus kriminell-imperialem Kapital hervorgegangene Zentren der Herrschaftsreproduktion. Good zieht hier eine direkte Linie vom Opiumhandel des 19. Jahrhunderts \u00fcber fr\u00fche amerikanische Oligarchien bis in die Gegenwart politischer Eliten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Insbesondere jedoch war es die Prohibition in den 1920er Jahren, mit der sich die Macht des organisierten Verbrechens auf volle Touren beschleunigte. Der Drogenhandel \u00fcbernahm danach die Rolle des Profitgenerators. Die Auslandspolitik der USA folgt konsequent dieser inneren Logik: National orientierte Staatschefs, die Ressourcen ihrer L\u00e4nder verstaatlichen wollten \u2013 Mohammad Mossadegh im Iran, Sukarno in Indonesien, Salvador Allende in Chile, Patrice Lumumba im Kongo \u2013, wurden systematisch gest\u00fcrzt. Auch dabei war das Verbrechen stets Werkzeug des Imperiums.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Am Ende steht ein d\u00fcsteres, aber koh\u00e4rentes Bild: Die USA sind kein liberaler Rechtsstaat mit gelegentlichen Entgleisungen, sondern ein Imperium, in dem Gesetzlosigkeit, Drogenhandel, Geldw\u00e4sche, Schutz durch Geheimdienste, politischer Mord, Erpressung und sexuelle Kompromatnetzwerke dauerhafte Instrumente von Herrschaft sind und strukturelle Funktionen erf\u00fcllen. Good zieht hier eine Linie von Meyer Lansky \u00fcber die Iran-Contra-Aff\u00e4re bis zu Jeffrey Epstein. Nicht trotz, sondern wegen dieser Struktur funktioniert das System \u2013 solange, bis, wie Good vorsichtig andeutet, eine kritische Masse international organisierter Rechtstaatlichkeit die Grundlagen dieser Ordnung ersch\u00fcttert.<\/span><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Aaron Good ist ein US-amerikanischer Historiker und Autor u.a. des Buches \u00bb<a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/American-Exception-Empire-Deep-State\/dp\/1510769137\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">American Exception: Empire and the Deep State<\/a>\u00ab sowie Moderator des gleichnamigen Podcasts. Sein Buch zeichnet die Entwicklung des US-Staates nach und konzentriert sich dabei auf den \u00bbmassiven nationalen Sicherheitsstaat, der sich durch ein beispielloses Ma\u00df an Geheimhaltung und Gesetzlosigkeit auszeichnet\u00ab und das US-Imperium verwaltet. Der Begriff \u00bbTiefer Staat\u00ab wird verwendet, um Institutionen zu beschreiben, die \u00bbdie Beziehungen zwischen der Oberwelt der Konzerne, der Unterwelt des organisierten Verbrechens und den nationalen Sicherheitsakteuren, die zwischen ihnen vermitteln, umfassen\u00ab. Das Buch behandelt zudem historische Informationen \u00fcber den \u00bb<em>Sturz ausl\u00e4ndischer Regierungen, den Beginn von Angriffskriegen und die politischen Attentate der 1960er Jahre<\/em>\u00ab.<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\"><small>\u00b9Document of the Week: How JFK Tried to Stop Nuclear Proliferation, National Security Archive, Washington, D.C., 24.05.2019, <a href=\"https:\/\/nsarchive.gwu.edu\/sites\/default\/files\/media_mentions\/2019-05-24-document_of_the_week_how_jfk_tried_to_stop_nuclear_proliferation_-_foreign_policy.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/nsarchive.gwu.edu\/sites\/default\/files\/media_mentions\/2019-05-24-document_of_the_week_how_jfk_tried_to_stop_nuclear_proliferation_-_foreign_policy.pdf<\/a>. 252. Telegram From the Department of State to the Embassy in Israel, Office of the Historian, Shared Knowledge Services, Bureau of Administration, United States Department of State, 18.05.1963, <a href=\"https:\/\/history.state.gov\/historicaldocuments\/frus1961-63v18\/d252\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/history.state.gov\/historicaldocuments\/frus1961-63v18\/d252<\/a>.<br \/>\n\u00a9 \u00c6ON-Z e.V. Thinktank. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterst\u00fctzend K\u00fcnstliche Intelligenz eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung f\u00fcr den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.<\/small><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der US-amerikanische Historiker Aaron Good zeichnet in seinem Buch \u00bbAmerican Exception: Empire and the Deep State\u00ab sowie in einem aktuellen Gespr\u00e4ch mit dem Historiker Pascal Lottaz ein d\u00fcsteres Bild der amerikanischen Staatlichkeit \u2013 eines, das mit dem Selbstbild der \u203aliberalen Demokratie\u2039 kaum vereinbar ist. 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