{"id":1108662,"date":"2025-11-10T17:32:14","date_gmt":"2025-11-10T16:32:14","guid":{"rendered":"https:\/\/infodienst.info\/?p=1108662"},"modified":"2025-11-23T17:34:30","modified_gmt":"2025-11-23T16:34:30","slug":"iqb-bildungstrend-2024-wie-tief-koennen-schuelerleistungen-noch-sinken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infodienst.info\/?p=1108662","title":{"rendered":"IQB-Bildungstrend 2024: Wie tief k\u00f6nnen Sch\u00fclerleistungen noch sinken?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Damit l\u00e4sst sich kein Staat mehr machen! Auch keine Demokratie. Und erst recht keine wettbewerbsf\u00e4hige Industriegesellschaft. Der neueste IQB-<a href=\"https:\/\/www.iqb.hu-berlin.de\/de\/schule\/sekundarstufe-i\/bildungstrend\/2024\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bildungstrend<\/a> des \u203aInstituts zur Qualit\u00e4tsentwicklung im Bildungswesen\u2039 (IQB), der regelm\u00e4\u00dfig die Kompetenzen in Kernf\u00e4chern misst, enth\u00fcllt einen alarmierenden R\u00fcckgang der Sch\u00fclerleistungen in Deutschland. Neuntkl\u00e4sslerinnen und Neuntkl\u00e4ssler erreichen in Mathematik und Naturwissenschaften einen historischen Tiefstand, mit dramatischen Einbr\u00fcchen im Vergleich zu fr\u00fcheren Untersuchungen. Die Studie best\u00e4tigt einen bundesweiten Trend, der sich nahtlos in die negativen Trends fr\u00fcherer Erhebungen einf\u00fcgt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein Vergleich mit der PISA-Studie 2022 zeigt \u00e4hnliche R\u00fcckg\u00e4nge: Die Sch\u00fcler in Deutschland erreichen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen das niedrigste Niveau seit dem Jahr 2000. Beide Studien unterstreichen die Auswirkungen sozialer Disparit\u00e4ten und einer ver\u00e4nderten Sch\u00fclerschaft durch ungesteuerte Zuwanderung ohne ausreichende Integration (und Integrationswillen) auf das Bildungssystem. Verweise auf die Jahre zur\u00fcckliegende Corona-Pandemie als weitere Ursache, erwecken inzwischen den Anschein, von politischer Unt\u00e4tigkeit und einem langfristigen Versagen ablenken zu wollen.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Kernresultate des IQB-Bildungstrends 2024<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Fokus des IQB-Bildungstrends liegt auf Neuntkl\u00e4sslern in Mathematik, Biologie, Chemie und Physik. Bundesweit betr\u00e4gt der Mittelwert in Mathematik nur 474 Punkte \u2013 ein R\u00fcckgang um 24 Punkte seit 2018, was etwa einem halben Schuljahr entspricht. Alarmierend: 34 Prozent verfehlen den Mindeststandard f\u00fcr den Mittleren Schulabschluss (MSA), ein Anstieg um zehn Prozentpunkte (2018: 22 Prozent). F\u00fcr den Ersten Schulabschluss (ESA) scheitern neun Prozent (Anstieg um drei Prozentpunkte).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die L\u00e4ndervergleiche offenbaren starke Ungleichheiten: In Sachsen verfehlen nur 20,6 Prozent den MSA-Standard in Mathematik, in Bremen sind es 48,7 Prozent. \u00dcberdurchschnittliche Anstiege der Verfehlungsquote zeigen Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen (jeweils \u00fcber zehn Prozentpunkte mehr als 2018). Spitzenleistungen erzielen Baden-W\u00fcrttemberg, Bayern und Sachsen; schwach sind Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und das Saarland.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">In den Naturwissenschaften sind die Mittelwerte \u00e4hnlich niedrig: Biologie 473 Punkte, Chemie 471 Punkte, Physik 474 Punkte \u2013 jeweils 23 bis 24 Punkte weniger als 2018. F\u00fcr MSA-Anw\u00e4rter verfehlen zehn Prozent in Biologie, 25 Prozent in Chemie und 16 Prozent in Physik die Mindeststandards. Starke Bundesl\u00e4nder sind Bayern, Sachsen und Th\u00fcringen; schwache sind Berlin, Bremen, Hessen und Nordrhein-Westfalen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Geschlechterdifferenzen verstetigen sich: Jungen f\u00fchren in Mathematik mit zw\u00f6lf Punkten Vorsprung, M\u00e4dchen in Biologie (21 Punkte), Chemie und Physik. Soziale Faktoren spielen eine zentrale Rolle. Sch\u00fcler aus Haushalten mit \u00fcber 100 B\u00fcchern erreichen 72 bis 80 Punkte mehr. Der R\u00fcckgang trifft privilegierte und benachteiligte Familien gleicherma\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Insbesondere die Zuwanderung verst\u00e4rkt die Disparit\u00e4ten: 40 Prozent der Sch\u00fcler haben einen Zuwanderungshintergrund, 13 Prozent sind Einwanderer der ersten Generation (Anstieg um sieben Prozentpunkte seit 2018). Diese Gruppe erzielt in Mathematik 78 Punkte weniger als der Durchschnitt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Dar\u00fcber hinaus sind Motivation und Selbstkonzept alarmierend niedrig: \u00dcber 50 Prozent haben ein geringes Interesse an Mathematik, Chemie und Physik. Parallel dazu haben anscheinend die psychosozialen Probleme zugenommen: 17 Prozent melden emotionale Probleme (M\u00e4dchen: 27 Prozent), 16 Prozent Hyperaktivit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Vergleiche zu fr\u00fcheren IQB-Erhebungen<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Negativtrend setzt sich also ungebremst fort. Im IQB-Bildungstrend 2022 (Neuntkl\u00e4ssler in Deutsch und Englisch) waren die Ergebnisse ambivalent: in Deutsch \u00bbbesorgniserregend\u00ab, in Englisch erfreulich. In Deutsch verfehlten 32,5 Prozent den MSA-Standard im Lesen (Anstieg um neun Prozentpunkte seit 2015), 34,4 Prozent im Zuh\u00f6ren (Anstieg um 16 %) und 22,3 Prozent in Orthografie (Anstieg um 9 %). Bremen schnitt am schlechtesten ab (bis zu 46,8 Prozent Verfehlung), Bayern und Sachsen waren am besten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der IQB 2021 (Viertkl\u00e4ssler in Deutsch und Mathematik) zeigte R\u00fcckg\u00e4nge um sechs bis acht Prozentpunkte bei Mindeststandard-Verfehlungen seit 2016. Lesen 18,8 Prozent Verfehlung; Zuh\u00f6ren 18,3 Prozent; Orthografie 30,4 Prozent (schlechtester Wert) und Mathematik 21,9 Prozent. Bremen und Berlin bildeten das Schlusslicht, Bayern und Sachsen die Spitze. Insbesondere wuchsen die Disparit\u00e4ten, vor allem bei Zuwanderern (bis zu zwei Schuljahre R\u00fcckstand f\u00fcr die erste Generation). Der aktuelle Tiefstand markiert eine Versch\u00e4rfung.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Vergleich zur PISA-Studie 2022<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die PISA-Ergebnisse 2022, die 15-J\u00e4hrige (vergleichbar mit Neuntkl\u00e4sslern) in 81 L\u00e4ndern testete, spiegeln die IQB-Ergebnisse wider. Deutschland erreichte in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen das niedrigste Niveau seit 2000. In Mathematik sanken die Leistungen auf ein Rekordtief, mit 30 Prozent unter Mindeststandards \u2013 \u00e4hnlich den 34 Prozent im IQB 2024. Naturwissenschaften: 23 Prozent Verfehlung (IQB: zehn bis 25 Prozent je Fach); Lesen: 25 Prozent (IQB 2022: 32,5 Prozent).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Beide Studien zeigen R\u00fcckg\u00e4nge seit 2018: PISA notiert Abnahmen in Mathematik und Lesen, sowie eine Stagnation in den Naturwissenschaften. Der IQB best\u00e4tigt dies national, mit einem st\u00e4rkeren Fokus auf die Bundesl\u00e4nder. So \u00fcberlappen sich die Ursachen: Corona-Schulschlie\u00dfungen (laut PISA mit Einfluss auf die Lernentwicklung), soziale Ungleichheiten und Zuwanderung. Die PISA-Tests platzieren Deutschland unterhalb des OECD-Durchschnitts.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">M\u00f6gliche Ursachen und Ausblick<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Zusammenfassend unterstreichen die IQB-Berichte eine systemische Krise. Der R\u00fcckgang der Sch\u00fclerleistungen in Deutschland ist tats\u00e4chlich schon seit Beginn der PISA-Studien im Jahr 2000 dokumentiert und zeigt einen kontinuierlichen Abw\u00e4rtstrend. Im Rahmen der PISA-Studien, die 15-J\u00e4hrige (vergleichbar mit Neuntkl\u00e4sslern) testet, sank der Mathematik-Punktestand von 490 im Jahr 2000 auf 475 in 2022 \u2013 das niedrigste Niveau seit Messbeginn. \u00c4hnlich im Lesen: Von 484 (2000) auf 480 (2022). Der OECD-Durchschnitt liegt h\u00f6her, und Deutschland rutschte auf Platz 24 in Mathematik ab. Im Bereich der Naturwissenschaften erreichten die Sch\u00fcler in Deutschland 2000 einen Wert von 487 Punkten, w\u00e4hrend im Jahr 2022 das Ergebnis auf 492 Punkte leicht anstieg. Allerdings ist zu beachten, dass das Ergebnis von 2022 im Vergleich zu fr\u00fcheren Jahren (insbesondere dem Leistungsabfall bei den PISA-Ergebnissen von 2018 und 2022) eher als Stagnation auf einem niedrigeren Niveau betrachtet werden kann, da die Leistungen in den anderen Bereichen signifikant gesunken sind.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00c4hnliche Muster zeigen die nationalen IQB-Bildungstrends: Seit 2012 (erste Erhebung f\u00fcr die Sekundarstufe) gab es R\u00fcckg\u00e4nge, z.B. in Mathematik von 498 Punkten (2018) auf 474 (2024), was einem halben Schuljahr entspricht. In Deutsch und Englisch (IQB 2022) verschlechterten sich Kompetenzen in Lesen und Zuh\u00f6ren seit 2015 um bis zu 16 Prozentpunkte bei Mindeststandard-Verfehlungen. Diese Trends begannen vor COVID, wurden aber durch die Pandemie beschleunigt. Corona ist ein signifikanter Faktor, aber kein hinreichender alleiniger Grund. Die OECD betont, dass der Leistungsverfall \u00bbnur teilweise\u00ab der Pandemie zuzuschreiben ist, da R\u00fcckg\u00e4nge in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften bereits vor 2019 sichtbar waren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Demnach dienen diese Erkl\u00e4rungen teilweise als Ausrede, um tiefere strukturelle Vers\u00e4umnisse zu kaschieren. Experten der EU-Kommission sehen den sozio\u00f6konomischen Hintergrund als Hauptursache: Sch\u00fcler aus armen Familien entwickeln sich signifikant schlechter, unabh\u00e4ngig von COVID, und diese Disparit\u00e4ten wuchsen seit 2000. Der Anteil migrantischer Sch\u00fcler stieg auf 40 Prozent (IQB 2024), mit einem 13-Prozent-Anteil der ersten Generation, die z.B. in Mathematik 78 Punkte weniger erzielen als der Durchschnitt \u2013 erkl\u00e4rbar durch geringeres kulturelles Kapital und Sprachbarrieren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Politisches Versagen in anderen Bereichen ist evident: Fehlende Anpassung an moderne Lernbed\u00fcrfnisse, unzureichende Lehrerfortbildung und regionale Ungleichheiten. Das britische Wochenmagazin The Economist <a href=\"https:\/\/www.economist.com\/europe\/2024\/04\/16\/germany-is-flunking-the-education-test\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">kritisierte<\/a>, dass <a href=\"https:\/\/www.economist.com\/podcasts\/2024\/04\/24\/why-german-educational-standards-are-declining\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschland<\/a> an asiatischen oder nordischen Modellen scheitert, deren Fokus auf F\u00e4higkeiten zielt, die f\u00fcr das 21. Jahrhundert entscheidend sind.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\"><small> Diese Meldung basiert auf den <a href=\"https:\/\/www.iqb.hu-berlin.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IQB-Berichten<\/a> 2018 bis 2024 und <a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/de\/publications\/pisa-2022-ergebnisse-band-i_b359f9ab-de.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PISA 2022<\/a>.<br \/>\n\u00a9 \u00c6ON-Z e.V. Thinktank. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.<\/small><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Damit l\u00e4sst sich kein Staat mehr machen! Auch keine Demokratie. Und erst recht keine wettbewerbsf\u00e4hige Industriegesellschaft. 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