{"id":1107978,"date":"2025-11-23T14:51:16","date_gmt":"2025-11-23T13:51:16","guid":{"rendered":"https:\/\/infodienst.info\/?p=1107978"},"modified":"2025-11-23T15:34:07","modified_gmt":"2025-11-23T14:34:07","slug":"demografie-2040-bevoelkerungszahlen-als-geopolitische-machtfaktoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infodienst.info\/?p=1107978","title":{"rendered":"Demografie 2040: Bev\u00f6lkerungszahlen als geopolitische Machtfaktoren"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das spanische Verteidigungsministerium (Ministerio de Defensa de Espa\u00f1a) hatte mit der <a href=\"https:\/\/publicaciones.defensa.gob.es\/media\/downloadable\/files\/links\/p\/a\/panorama_de_tendencias_geopol_ticas_horizonte_2040_2_edici_n_1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie<\/a> \u00bbPanorama de Tendencias Geopol\u00edticas \u2013 Horizonte 2040\u00ab (2019) ein umfassendes Zukunftsbild sicherheitspolitischer Herausforderungen entworfen. Ein zentrales Kapitel darin, \u00bbDemograf\u00eda\u00ab (Seiten 43-51), zeigt, wie stark die Bev\u00f6lkerungsentwicklung die geopolitische Ordnung bis 2040 und dar\u00fcber hinaus pr\u00e4gen d\u00fcrfte. Es ist weniger ein n\u00fcchterner Statistikbericht als eine strategische Warnung: Wer verstehen will, wo k\u00fcnftige Spannungen, Migrationsstr\u00f6me und Machtverschiebungen entstehen, muss sich auf die Geburtenraten und Altersstrukturen fokussieren.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Weltweite Verschiebungen: Ein wachsendes Afrika, ein alterndes Europa<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Im Jahr 2017 lebten laut der Studie rund 7,4 Milliarden Menschen auf der Erde \u2013 fast eine Milliarde mehr als nur zw\u00f6lf Jahre zuvor. Die Verteilung war damals schon ungleich: 60 Prozent in Asien (4,5 Mrd.), 17 Prozent in Afrika (1,3 Mrd.), zehn Prozent in Europa (742 Mio.), acht Prozent in Lateinamerika (646 Mio.), der Rest in Nordamerika und Ozeanien.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Bis 2030, so die Analyse, wird der demografische Niedergang Europas begonnen haben: ein Verlust von etwa neun Millionen Menschen, vor allem in Ost- und in S\u00fcdeuropa \u2013 mit R\u00fcckg\u00e4ngen von jeweils drei Millionen in Russland und der Ukraine (zuz\u00fcglich der Kriegstoten und Fl\u00fcchtlinge), zwei Millionen in Polen und einer Million in Italien, Rum\u00e4nien und Griechenland. Auch das fern\u00f6stliche Japan wird voraussichtlich mindestens sechs Millionen Einwohner (minus 5 %) verloren haben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Afrika wird dagegen ungebremst weiterwachsen. Sechs L\u00e4nder \u2013 Angola, Burundi, Niger, Somalia, Tansania und Sambia \u2013 d\u00fcrften ihre Bev\u00f6lkerung bis 2050 verdreifachen, der Kontinent insgesamt seine Bev\u00f6lkerung verdoppeln. Um 2050 werden 40 Prozent aller Neugeborenen auf der Welt Afrikanerinnen und Afrikaner sein. Zwischen 2050 und 2100 d\u00fcrfte Afrika auf 4,5 Milliarden Menschen anwachsen, was dann etwa einem Drittel der Weltbev\u00f6lkerung entspricht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Weltbev\u00f6lkerungswachstum konzentriert sich insbesondere auf neun Staaten, die zusammen die H\u00e4lfte des globalen Bev\u00f6lkerungszuwachses ausmachen: Indien, Nigeria, Demokratische Republik Kongo, Pakistan, USA, \u00c4thiopien, Tansania, Uganda und Indonesien. Viele dieser L\u00e4nder sind mehrheitlich muslimisch gepr\u00e4gt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die weltweite \u203azusammengefasste Geburtenziffer\u2039 (Total Fertility Rate, TFR) sinkt laut Prognose bis zum Jahr 2100 auf durchschnittlich 2,0 Kinder pro Frau \u2013 knapp um das Bestandserhaltungsniveau (2,11) herum. Doch die regionalen Unterschiede bleiben extrem: In Europa stagniert die Geburtenrate, w\u00e4hrend sie in Subsahara-Afrika noch explosionsartige Allzeithochs erreichen wird.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Geburten: Der Maghreb stagniert, Subsahara-Afrika explodiert<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Im Zentrum der Studie stehen die nordafrikanischen und subsaharischen Regionen, die f\u00fcr Spanien und den Rest Europas sicherheitspolitisch besonders relevant sind. Hier treffen zwei gegens\u00e4tzliche Entwicklungen aufeinander:<\/span><\/p>\n<ol>\n<li style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Maghreb: In Algerien, Marokko und Tunesien flacht das Bev\u00f6lkerungswachstum ab. Die Fertilit\u00e4tsrate liegt bei 2,6 (Algerien) bis 2,15 (Tunesien). Bis 2030 w\u00e4chst die Bev\u00f6lkerung noch um elf bis 19 Prozent, danach beginnt sie zu schrumpfen. Die Alterung setzt ein: Die Lebenserwartung steigt im Schnitt um 6,5 Jahre. 2017 waren noch 39 bis 44 Prozent der Bev\u00f6lkerung unter 25 Jahre, doch dieser Anteil nimmt weiter ab.<\/span><\/li>\n<li style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Sahelzone: Hier zeigt sich ein anderes Bild. Die Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst allein schon in der Sahelzone (\u00dcbergangsregion zwischen Sahara im Norden und Trockensavanne im S\u00fcden) mit Rekordtempo. 60 Prozent der Menschen sind j\u00fcnger als 25 Jahre, 2050 werden es immer noch 50 Prozent sein. Bis 2050 w\u00e4chst die Bev\u00f6lkerung von 78,5 Millionen auf 200 Millionen, bis 2100 auf 434 Millionen. Allein Niger (&gt; 98 % muslimisch) d\u00fcrfte dann 200 Millionen Einwohner haben \u2013 zehnmal so viele wie heute. Niger geh\u00f6rt schon jetzt zu den \u00e4rmsten <a href=\"https:\/\/amnesty-westafrika.de\/niger\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Staaten<\/a> Afrikas. Sklaverei ist ein weitverbreitetes Ph\u00e4nomen geblieben (die Bertelsmann Stiftung ging in einer Sch\u00e4tzung von 43.000 betroffenen Personen aus). <\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Diese Dynamik schafft ein massives Ungleichgewicht: Die Sahelzone allein (als Teil von Subsahara-Afrika) wird dann \u00fcber doppelt so viele Menschen im arbeitsf\u00e4higen Alter verf\u00fcgen wie Europa. Damit entsteht ein \u00bbdemografischer \u00dcberdruck\u00ab, der Migration, Arbeitslosigkeit und Konflikte bis hin zur Unl\u00f6sbarkeit anheizt.<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1732\" src=\"https:\/\/aeon-z.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Europa-vs-Subsahara-2100.png\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"1080\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\"><small><strong>Zum Vergleich: Bev\u00f6lkerungsentwicklung in Europa und Subsahara-Afrika von 1950 bis 2100<\/strong> laut \u203aUN World Population Prospects 2022\u2039 (Medium und High Variant, d.h. je nach erwarteter TFR). Europa w\u00e4chst von rund 547 Millionen (1950) auf etwa 590 Millionen (2100, Medium) bzw. 610 Millionen (High) und zeigt damit eine langfristige Stagnation bzw. leichten R\u00fcckgang. Subsahara-Afrika steigt dagegen von 179 Millionen (1950) auf etwa 3,4 Milliarden (2100, Medium) bzw. 4,0 Milliarden (High) \u2013 ein Anstieg um fast das Zwanzigfache. Zur Erkl\u00e4rung: Subsahara-Afrika ist Afrika (inkl. Sahelzone) minus Maghreb und \u00c4gypten.<\/small><\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Europa: Schrumpfende Mitte, alternder Kontinent<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcr Europa zeichnet die Studie ein deutlich d\u00fcsteres Bev\u00f6lkerungsbild. Schon bis 2030 soll die Zahl der europ\u00e4ischen Alteinwohner um drei Millionen sinken. Die Geburtenrate liegt bei 1,6 Kinder pro Frau und steigt bis 2050 nur leicht auf 1,8 \u2013 weit unter der f\u00fcr den Bestandserhalt n\u00f6tigen Rate von 2,11 Kinder. Das bedeutet: Auch 2050 wird Europa Bev\u00f6lkerung verlieren, rund 23 Millionen Menschen weniger, ein Minus von 3,1 Prozent.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Einige Regionen trifft es h\u00e4rter: In Mitteldeutschland sowie bestimmten Regionen Westdeutschlands (z.B. Herford, Ennepe-Ruhr-Kreis), Polens (Kattowitz und \u0141\u00f3d\u017a), Lettlands (Riga), Griechenlands (Athen) und Portugals (Gro\u00dfraum Porto) sind Bev\u00f6lkerungsverluste von um die 24 bis 30 Prozent zu erwarten. Bulgarien, Kroatien, Litauen und Rum\u00e4nien verlieren jeweils \u00fcber 15 Prozent. Bis 2100 schrumpft die europ\u00e4ische Bev\u00f6lkerung um 73 Millionen \u2013 etwa neun Prozent des heutigen Bestands.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Europa wird damit zum \u00bb\u00e4ltesten Kontinent\u00ab der Erde. Ab 2030 liegt das Durchschnittsalter bei 45 Jahren. Bis 2050 wird mehr als jeder Vierte 65 Jahre oder \u00e4lter sein (27,8 %), w\u00e4hrend der Anteil der 15- bis unter 65-J\u00e4hrigen auf 57,2 Prozent sinken wird.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Verh\u00e4ltnis von Erwerbst\u00e4tigen zu Rentnern kippt damit dramatisch und die Sozialsysteme geraten unter Druck. Bereits 2014 lebten 72,5 Prozent der Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er in St\u00e4dten \u2013 bis 2050 werden fast alle Wachstumszonen urbane Metropolr\u00e4ume sein, vor allem in Hauptst\u00e4dten und Agglomerationen.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Das Sicherheitsrisiko der Demographie<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die spanische Trendanalyse verkn\u00fcpft die demografische Analyse direkt mit sicherheitspolitischen Schlussfolgerungen. \u00bbHumankapital\u00ab, hei\u00dft es, werde ein \u00bbgeopolitischer Verst\u00e4rker\u00ab \u2013 und damit ein Faktor, der \u00fcber Stabilit\u00e4t oder Zerfall von Staaten entscheidet.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Wo das Bev\u00f6lkerungswachstum hoch, das Wirtschaftswachstum aber schwach ist, entsteht eine gef\u00e4hrliche Schieflage. Das gilt besonders f\u00fcr Subsahara-Afrika: Das Bev\u00f6lkerungswachstum dort werde nicht von einem gleichwertigen \u00f6konomischen Aufschwung begleitet. Folge seien Massenmigrationen aus den am st\u00e4rksten wachsenden, aber \u00e4rmsten L\u00e4ndern in Richtung der alternden Industriestaaten \u2013 vor allem nach Europa, was negative Folgen f\u00fcr die europ\u00e4ische Stabilit\u00e4t und Sicherheit haben wird.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Autoren sprechen von einem drohenden \u00bbafrikanischen demografischen Tsunami\u00ab, \u00bbder zum Teil von Europa aufgefangen werden m\u00fcsse\u00ab. Das Problem [Anm. d. Red.]: \u00bb<em>Bis 2040 wird Europa voraussichtlich in eine Phase struktureller Schw\u00e4che geraten sein. Der fortgesetzte Dekarbonisierungskurs bei gleichzeitig abwandernder Industrie f\u00fchrt zu sinkender Wettbewerbsf\u00e4higkeit, steigender Arbeitslosigkeit in klassischen Industriezweigen und wachsender Importabh\u00e4ngigkeit \u2013 nicht nur bei Energie, sondern auch bei Hightech-Produkten und Rohstoffen. Die alternde Gesellschaft und die anhaltend niedrige Geburtenrate \u00fcberlasten Renten- und Sozialsysteme, w\u00e4hrend der Bildungsstandard und die Innovationskraft vieler L\u00e4nder abnehmen. Staaten wie Frankreich und Italien, wahrscheinlich auch Deutschland, d\u00fcrften unter ihrer Schuldenlast eher fr\u00fcher als sp\u00e4ter ins Wanken geraten, was den Zusammenhalt der EU gef\u00e4hrdet. In diesem Umfeld nimmt China \u2013 gemeinsam mit anderen asiatischen und neuen Wachstumszentren \u2013 die globale F\u00fchrungsrolle ein, w\u00e4hrend Europa wirtschaftlich, technologisch und politisch zunehmend an den Rand gedr\u00e4ngt wird.<\/em>\u00ab<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Unabh\u00e4ngig davon: F\u00fcr Spanien, das geografisch am n\u00e4chsten liegt, ist das keine abstrakte Projektion, sondern eine Frage nationaler Sicherheit.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Der soziale Sprengstoff Jugend<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">In der Sahelzone und im Maghreb, so die Studie, k\u00f6nnte das durch Migration ausgel\u00f6ste Missverh\u00e4ltnis zwischen Bev\u00f6lkerung und Ressourcen zu einer Vielzahl lokaler Konflikte f\u00fchren \u2013 um Land, Wasser und Viehweiden, h\u00e4ufig maskiert als ethnische oder religi\u00f6se Spannungen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die gewaltige Zahl junger, arbeitsloser M\u00e4nner in den St\u00e4dten und D\u00f6rfern sei ein Pulverfass, das leicht durch Populisten oder religi\u00f6se Extremisten entz\u00fcndet werden k\u00f6nne. Chronische Kriminalit\u00e4t sei in vielen L\u00e4ndern der Region bereits weit verbreitet, und auch der Terrorismus wachse in diesem Umfeld.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Prognose ist eindeutig: Terrorismus und organisierte Kriminalit\u00e4t werden sich weiter urbanisieren \u2013 hin zu Formen, die besser in die Megast\u00e4dte Afrikas passen. Diese dann \u203averwilderten St\u00e4dte\u2039 (Feral Cities) werden bis 2040 bis zu 100 Kilometer gro\u00df, oft unregierbar und von unkontrollierter Migration gepr\u00e4gt sein.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Bis dahin wird die H\u00e4lfte der afrikanischen Bev\u00f6lkerung in St\u00e4dten leben \u2013 eine gewaltige Umw\u00e4lzung, die laut Studie neue Formen von Armut, Instabilit\u00e4t und politischen Anspr\u00fcchen hervorbringt.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Migration, Macht und religi\u00f6ser Wandel<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die demografische Explosion im Sahel und die gleichzeitige Alterung Europas f\u00fchren zu einem tiefen strukturellen Ungleichgewicht. Migration wird zu einem Dauerph\u00e4nomen. Je schw\u00e4cher die Regierungen in Subsahara-Afrika sind, desto weniger gelingt es ihnen, Armut, Hunger und Ungleichheit zu bek\u00e4mpfen. <span style=\"color: #ff0000;\">Bis zum Jahr 2040 m\u00fcssten in Subsahara-Afrika jeden Monat zwei Millionen zus\u00e4tzliche Jobs geschaffen werden, um der wachsenden Zahl junger Erwerbsf\u00e4higer eine Perspektive zu bieten.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Studie warnt, dass Migrationsbewegungen \u2013 ob intern, grenz\u00fcberschreitend oder interkontinental \u2013 nicht nur soziale, sondern auch politische Gleichgewichte ver\u00e4ndern k\u00f6nnten. Bev\u00f6lkerungsgruppen, die heute Minderheiten sind, k\u00f6nnten morgen Mehrheiten bilden. Das k\u00f6nne zu politischen Umbr\u00fcchen f\u00fchren, \u00bbdie nicht notwendigerweise positiv verlaufen\u00ab.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Hinzu kommt ein kulturell-religi\u00f6ser Faktor: Die Ausbreitung des Wahhabismus und anderer islamisch-fundamentalistischer Str\u00f6mungen k\u00f6nne die bisher eher traditionellen Formen des Islams in Afrika ver\u00e4ndern und den Extremismus verst\u00e4rken.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Afrikas Aufstieg, Europas Schw\u00e4che<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">In einem geopolitischen Kontext bedeutet das: Die Bev\u00f6lkerungsgewichte verschieben sich rasant. W\u00e4hrend Europa altert und schrumpft, w\u00e4chst Afrika in einem Tempo, das ihm zunehmend Einfluss in internationalen Organisationen verschaffen k\u00f6nnte. Die Afrikanische Union werde an Bedeutung gewinnen, schreibt das spanische Verteidigungsministerium, ebenso wie ihre interne Machtbalance sich ver\u00e4ndern werde. Das k\u00f6nnte neue Anspr\u00fcche auf Repr\u00e4sentation in den Vereinten Nationen oder regionalen B\u00fcndnissen wecken \u2013 und die bisherige globale Machtverteilung herausfordern.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Die geopolitische Dimension der Zahlen<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Hinter den n\u00fcchternen Prozentwerten und Wachstumsraten steht eine tiefe strategische Aussage: Demographie ist Schicksal \u2013 jedenfalls aus sicherheitspolitischer Sicht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein junger, schnell wachsender Kontinent wie Afrika kann, wenn er wirtschaftlich scheitert, zur Quelle von Instabilit\u00e4t, Migration und Extremismus werden. Wenn er aber prosperiert, k\u00f6nnte er zum dynamischsten Zentrum des 21. Jahrhunderts aufsteigen. Europa dagegen droht, durch \u00dcberalterung und demografischen R\u00fcckgang an globalem Gewicht zu verlieren \u2013 \u00f6konomisch, milit\u00e4risch und politisch.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Studie fasst diesen Zusammenhang mit Blick auf das Jahr 2040 pr\u00e4gnant zusammen: \u00bbDas Humankapital wird auch weiterhin ein entscheidender geopolitischer Faktor sein, der massive Ver\u00e4nderungen in der Weltordnung bewirken d\u00fcrfte.\u00ab<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Fazit: Eine Zukunft zwischen \u00dcberfluss und Leere<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Kapitel \u00bbDemograf\u00eda\u00ab aus Horizonte 2040 ist keine neutrale Bev\u00f6lkerungsprognose, sondern eine geopolitische Analyse im Dienst der Sicherheitspolitik. Seine Botschaft ist doppelt:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Afrika wird zur bev\u00f6lkerungsreichsten Region der Welt \u2013 mit gewaltigen sozialen und politischen Spannungen, aber auch mit Potenzial f\u00fcr Wachstum.<\/span><\/li>\n<li style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Europa wird \u00e4lter, kleiner und verletzlicher \u2013 mit sinkender Bev\u00f6lkerungszahl, steigendem Durchschnittsalter und sowohl Angriffen durch als auch wachsender Abh\u00e4ngigkeit von Migration.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Erg\u00e4nzende Studien und Recherchen zeigen: \u00bb<em>In Europa wird es 2035 voraussichtlich 50 Millionen Menschen weniger im erwerbsf\u00e4higen Alter geben als 2010. Humanoide Roboter sollen diese L\u00fccke schlie\u00dfen und dem chronischen Arbeitskr\u00e4ftemangel entgegenwirken. Ein weiterer Ausgleich soll durch l\u00e4ngeres Arbeiten erfolgen. D\u00e4nemark etwa hat beschlossen, das Rentenalter bis 2030 auf 68 Jahre, bis 2035 auf 69 Jahre und bis 2040 auf 70 Jahre anzuheben. Basierend auf Modellrechnungen k\u00f6nnte das Renteneintrittsalter auch in Deutschland bis 2040 auf 69 oder 70 Jahre steigen. Nach Angaben der OECD wird D\u00e4nemark im Jahr 2060 mit einem Renteneintrittsalter von 74 Jahren an der Spitze in Europa stehen (vorausgesetzt, die Lebenserwartung steigt weiter). Andererseits werden bis 2040 in den f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen L\u00e4ndern (Deutschland, Frankreich, UK, Italien, Spanien) gleichzeitig rund zw\u00f6lf Millionen Arbeitspl\u00e4tze durch Automatisierung verloren gehen, w\u00e4hrend etwa neun Millionen neue Arbeitspl\u00e4tze entstehen sollen, von denen aber noch niemand wei\u00df, welche das sein k\u00f6nnten. Eine europ\u00e4ische Absorption des subsaharischen Arbeitskr\u00e4fte\u00fcberschusses d\u00fcrfte aufgrund von KI, humanoider Robotik, Degrowth bzw. Deindustrialisierung und fehlender Arbeitspl\u00e4tze faktisch unm\u00f6glich und eine bereits gescheiterte Illusion sein.<\/em>\u00ab<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Welt des Jahres 2040 wird damit eine andere Machtkarte haben \u2013 jung und unruhig im S\u00fcden, alt und vorsichtig im Norden. Zwischen diesen Polen verlaufen die neuen geopolitischen Bruchlinien, nicht nur zwischen Ideologien, sondern besonders zwischen den Generationen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\"><small>\u00a9 \u00c6ON-Z e.V. Thinktank. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterst\u00fctzend K\u00fcnstliche Intelligenz eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung f\u00fcr den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.<\/small><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das spanische Verteidigungsministerium (Ministerio de Defensa de Espa\u00f1a) hatte mit der Studie \u00bbPanorama de Tendencias Geopol\u00edticas \u2013 Horizonte 2040\u00ab (2019) ein umfassendes Zukunftsbild sicherheitspolitischer Herausforderungen entworfen. Ein zentrales Kapitel darin, \u00bbDemograf\u00eda\u00ab (Seiten 43-51), zeigt, wie stark die Bev\u00f6lkerungsentwicklung die geopolitische Ordnung bis 2040 und dar\u00fcber hinaus pr\u00e4gen d\u00fcrfte. 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