{"id":109245,"date":"2025-02-15T00:28:41","date_gmt":"2025-02-14T23:28:41","guid":{"rendered":"https:\/\/infodienst.info\/?p=109245"},"modified":"2025-07-24T17:39:45","modified_gmt":"2025-07-24T15:39:45","slug":"geopolitik-europa-die-geistige-vergreisung-eines-kontinents","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infodienst.info\/?p=109245","title":{"rendered":"Geopolitik: Europa \u2013 die geistige Vergreisung eines Kontinents"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Wenn das Geschehen auf der 61. M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz<\/span> (<a href=\"https:\/\/securityconference.org\/msc-2025\/\">MSC<\/a>) <span style=\"color: #000000;\">2025 eines klarstellte, dann dies: Europa, insbesondere die Staaten der EU, haben dramatisch an geopolitischen Einfluss verloren. Immer noch \u00fcberkommenen Milit\u00e4rdoktrinen und \u00bbWerten\u00ab eines moralisch aufgeladenen \u00bbregelbasierten Systems\u00ab anh\u00e4ngend, das global l\u00e4ngst ausgedient hat, wird Europa ohne neue Vision von sich selbst in der Bedeutungslosigkeit versinken. Davon \u00fcberzeugt ist der Schweizer<\/span> <a href=\"https:\/\/www.globalaffairs.ch\/\">Politikberater<\/a> <span style=\"color: #000000;\">Remo Reginold in einem Interview mit der<\/span> <a href=\"https:\/\/www.20min.ch\/story\/nach-trump-telefonat-die-welt-dreht-sich-weiter-nur-europa-bleibt-stehen-103281439\">Onlineausgabe<\/a> <span style=\"color: #000000;\">des Boulevardmediums 20 Minuten. W\u00e4hrend sich die Staaten Asiens, Afrikas und S\u00fcdamerikas strategisch kl\u00fcger positionierten und an Einfluss gew\u00f6nnen, marginalisiere sich Europa mittelfristig weiter. Europa h\u00e4nge weiterhin einer Werte- und Wirtschaftsordnung an, die so l\u00e4ngst nicht mehr existiere. In einer mehrdeutigen, multipolaren Welt, die keine gesicherten Allianzen mehr kenne, in der man je nach Kontext einmal Partner und das n\u00e4chste Mal Wettbewerber (oder Gegner) sei, fehle es Europa an einer pragmatischen Sicht auf die Dinge. \u00bb<em>Wir leben in einer mehrdeutigen Welt<\/em>\u00ab, erkl\u00e4rt Reginold, \u00bb<em>in der man sich nicht nur milit\u00e4risch und wirtschaftlich, sondern auch kulturell und \u00fcber Rohstoffe sowie Handelswege geopolitisch behaupten kann<\/em>.\u00ab Besonders Indien habe das \u00bbFrenemy\u00ab-Prinzip perfektioniert: Je nach eigenem Vorteil wird das Gegen\u00fcber mal als Freund (friend) und mal als Feind (enemy) wahrgenommen und entsprechend behandelt.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine pragmatische Interessenpolitik<\/strong><\/span><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Statt klassischer Organisationen wie z.B. die UN, w\u00fcrden sich k\u00fcnftig an deren Stelle neue B\u00fcndnisse durchsetzen \u2013 etwa die BRICS-Staaten. W\u00e4hrend die alten Institutionen Auslaufmodelle seien, f\u00e4nde das Modell eines losen B\u00fcndnisses bereits Nachahmer.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der globale S\u00fcden habe diese Realit\u00e4t l\u00e4ngst erkannt. Europa hingegen verschlie\u00dfe immer noch die Augen davor. Das habe zur Folge, dass Europa in vielen strategischen Regionen keine entscheidende Rolle mehr spielt \u2013 ob im S\u00fcdchinesischen Meer, in der Arktis oder im Nahen Osten. Europa, insbesondere die Kolonialmacht Frankreich, haben in Afrika eine L\u00fccke hinterlassen, die sofort von Russland und China geschlossen wurde. Reginold: \u00bb<em>Europa verweist immer wieder auf scheinbare Werte, aber Geopolitik war noch nie moralisch<\/em>.\u00ab<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Politikberater ist sich sicher, dass es Europa an einer klaren Vision fehlt. Zwar wird stets vollmundig eine Zeitenwende angek\u00fcndigt, die aber nur eine hohle Phrase bleibt. Entscheidungen bez\u00fcglich zuk\u00fcnftiger Priorit\u00e4ten und Investitionen bleiben aus. Das gilt besonders in der Sicherheitspolitik. Denn Sicherheit ist nicht nur eine Frage von Waffen, sondern auch von Energiesicherheit, Cybersicherheit und kritischer Infrastruktur.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Deutlich zeigt sich der europ\u00e4ische Dornr\u00f6schenschlaf in den gewaltigen, viele Milliarden teuren Beschaffungsprogrammen f\u00fcr neue Panzer. So, als habe es die Entwicklungen in der Ukraine nie gegeben, vergibt Europa Bestellauftr\u00e4ge \u00fcber zig Milliarden Euro. Doch die Realit\u00e4t ist zwischenzeitlich l\u00e4ngst eine andere. \u00bb<em>Der Einsatz hunderttausender Drohnen \u00fcber der Ukraine hat die Art der Kriegf\u00fchrung bereits unwiderruflich ver\u00e4ndert<\/em>\u00ab, hei\u00dft es in einem Beitrag des Onlinemagazins<\/span> <a href=\"https:\/\/telepolis.de\/-10276035\">Telepolis<\/a>. <span style=\"color: #000000;\">Neben den immens hohen Kosten, die sie verursache, stelle die Panzerwaffe eine Waffengattung dar, \u00bb<em>die auf dem modernen Schlachtfeld keine Relevanz mehr hat<\/em>.\u00ab Eine traditionelle Man\u00f6verkriegsf\u00fchrung, in der Gruppen von Panzern selbstst\u00e4ndig tief in feindlichem Gebiet operieren, wie es Doktrin seit dem Zweiten Weltkrieg war, hat ausgedient. \u00bb<em>Die technologische Entwicklung l\u00e4uft den Panzerbestellungen bereits jetzt schon davon. In wenigen Jahren werden KI-gesteuerte Drohnenschw\u00e4rme, besonders aus kleinen FPV-Drohnen, zur milit\u00e4rischen Realit\u00e4t<\/em>\u00ab, res\u00fcmiert der Telepolis-Artikel. Die Autonomisierung der Drohnenwaffe werde einen weiteren entscheidenden Wendepunkt in der Kriegf\u00fchrung darstellen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Hier zeigt sich wie zum Beweis unter einem Brennglas: Ohne klare Vision von sich selbst, ohne disruptives Denken, ohne geostrategische Innovationen und mehr Eigenst\u00e4ndigkeit droht den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern die Bedeutungslosigkeit. Die Welt dreht sich weiter \u2013 nur Europa bleibt stehen und verharrt geistig-moralisch verkommen im Gestern.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 8pt;\"><small><span style=\"color: #000000;\"> Foto: \u00a9<\/span> <a href=\"https:\/\/www.knds.de\/\">KNDS<\/a>, <span style=\"color: #000000;\">Leopard 2A5.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">\u00a9 \u203aInfodienst fut\u016brum\u2039. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.<\/span><\/small><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn das Geschehen auf der 61. M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz (MSC) 2025 eines klarstellte, dann dies: Europa, insbesondere die Staaten der EU, haben dramatisch an geopolitischen Einfluss verloren. 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